Lagebericht & Ergänzungen | Grundlagen des Konzerns

11. Sicherheit

Das Sicherheitsmanagement und die stete Weiterentwicklung der Sicherheitskultur sind eine wichtige Grundlage unternehmerischer Verantwortung im Bayer-Konzern. Alle von uns erfassten Unfälle und Ereignisse werden detailliert analysiert und bewertet, um adäquate Maßnahmen zu ihrer zukünftigen Vermeidung einleiten zu können. Die Prävention von Unfällen und Ereignissen im Arbeitsalltag, beim Betrieb der Produktionsanlagen und auf den Arbeits- und Transportwegen, bei denen Menschen oder die Umwelt zu Schaden kommen könnten, hat für uns höchste Priorität. Die Verantwortung für die Bereiche Gesundheit, Sicherheit, Umweltschutz und Qualität (hseq) ist daher direkt beim Konzernvorstand verankert. Ziel unseres hseq-Engagements sind Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz für Mitarbeiter, Kontraktoren und Lieferanten auf unseren Werksgeländen und unter Bayer-Aufsicht sowie der reibungslose und sichere Betrieb unserer Anlagen. Auf diese Weise senken wir auch laufende Kosten, indem wir Schäden sowie Arbeits- und Produktionsunterbrechungen vermeiden.

Verantwortlichkeiten und Rahmenbedingungen für hseq werden auf Konzernebene durch entsprechende Richtlinien geregelt. Die operative Verantwortung liegt bei den Vorständen der jeweiligen Teilkonzerne und Servicegesellschaften sowie den entsprechenden Linienorganisationen, die hseq eigenverantwortlich durch entsprechende Managementsysteme, Gremien und Arbeitsgruppen steuern. Fortwährende Überprüfung und Anpassung der Richtlinien und regelmäßige interne Audits stellen sicher, dass unsere hseq-Managementsysteme an allen Standorten den jeweiligen spezifischen Anforderungen entsprechen.

Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz 

Bereits seit Jahren sinkt bei Bayer die Quote der Arbeitsunfälle, die zu Arbeitsausfalltagen führen. Auch 2014 trugen intensives Training und Bewusstseinsbildung dazu bei, dass die Bayer-Teilkonzerne und -Servicegesellschaften sinkende Unfallzahlen berichten konnten.

Wir erfassen alle Arbeitsunfälle von Mitarbeitern, die Ursache für eine medizinische Behandlung sind und über Erste-Hilfe-Maßnahmen hinausgehen. Diese Zahl umfasst sowohl die Unfälle mit als auch ohne Ausfalltage und wird dargestellt in der „Recordable Incident Rate“ (rir). Die rir-Quote sank konzernweit im Jahr 2014 auf 0,43 Unfälle pro 200.000 Arbeitsstunden (Vorjahr: 0,47), dies entspricht weltweit 534 Arbeitsunfällen. Demnach ereignete sich statistisch im Bayer-Konzern etwa nach jeweils 465.000 geleisteten Arbeitsstunden ein berichtspflichtiger Arbeitsunfall.  

Rückläufig ist auch die Quote der berichtspflichtigen Arbeitsunfälle mit Arbeitsausfalltagen (ltrir, „Lost Time Recordable Incident Rate“). Im Jahr 2014 lag sie bei 0,22 (Vorjahr: 0,26).

Bedauerlicherweise mussten wir 2014 insgesamt vier tödliche Arbeitsunfälle verzeichnen, drei der Betroffenen waren Bayer-Mitarbeiter, ein weiterer ein Kontraktoren-Mitarbeiter. Ein Mitarbeiter kam bei Rangierarbeiten in Wesseling, Deutschland, ums Leben. In La Tupia, Kolumbien, geriet ein Tankwagen während des Umfüllens von Benzin in Brand. Vier Arbeiter erlitten dabei Verbrennungen unterschiedlichen Grades. Bei dem Bayer-Arbeiter führten seine schweren Verbrennungen zum Tod. Es fand eine umfassende Fehler-Ursachen-Analyse statt. Präventions- und Verbesserungsmaßnahmen wurden eingeleitet. Ein dritter Mitarbeiter verstarb bei einem Verkehrsunfall in Brasilien, ebenso wie ein Kontraktoren-Mitarbeiter in Sanchor, Indien.

Arbeitsunfälle       [Tabelle 3.11.1]
  2010 2011 2012 2013 2014
Arbeitsunfälle von Bayer-Mitarbeitern mit Ausfalltagen (LTRIR1) 0,34 0,31 0,27 0,26 0,22
Berichtspflichtige Arbeitsunfälle von Bayer-Mitarbeitern (RIR1) 0,62 0,56 0,49 0,47 0,43
Tödliche Arbeitsunfälle (gesamt) 4 3 2 2 4
Davon Bayer-Mitarbeiter 4 2 2 1 3
Davon Kontraktoren-Mitarbeiter2 1 1 1
1 Die Werte bis 2010 wurden auf Basis der damaligen MAQ-Werte errechnet und enthalten noch keine arbeitsbedingten Erkrankungen
2
Mitarbeiter beauftragter Drittfirmen, deren Unfall sich auf unseren Werksgeländen und unter Bayer-Aufsicht ereignet hat

Die Unfallquoten schwankten sowohl innerhalb einzelner Regionen als auch zwischen den jeweiligen Teilkonzernen und Servicegesellschaften.

eingeschränkt geprüft

 Online-Ergänzung: 3-11-1

Berichtspflichtige Arbeitsunfälle (RIR) nach Regionen [Tabelle 3.11.1-1]
  20121 2013 2014
Europa 0,56 0,72 0,62
Nordamerika 0,53 0,49 0,64
Asien/Pazifik 0,21 0,20 0,14
Lateinamerika/Nahost/Afrika 0,54 0,40 0,33
Gesamt 0,49 0,47 0,43
1 Werte 2012 aufgrund fehlerhafter Regionenzuordnung angepasst

Arbeitsbedingte Erkrankungen werden seit 2012 zusätzlich unabhängig von anerkannt gelisteten Berufskrankheiten erfasst und gehen in den Parameter ltrir ein. Im Berichtszeitraum wurden konzernweit elf Fälle gemeldet, die auf arbeitsbezogene Einflussfaktoren zurückgehen. Wir berichten solche arbeitsbedingten Erkrankungen, sofern diese ärztlich diagnostiziert und anerkannt wurden.

Wie in den Vorjahren verzeichneten wir auch 2014 kaum branchentypische Unfälle mit Chemikalienkontakt. Die absolute Zahl der Unfälle ging weiter zurück. Ein erheblicher Teil unserer arbeitsbedingten Unfälle und Verletzungen steht im Zusammenhang mit verhaltensbedingten Fehlern. Daher haben wir 2014 das Thema unter dem Oberbegriff „Behavioral Safety“ in den Mittelpunkt vieler Programme und Schulungen gestellt. „Behavioral Safety“ stand daher 2014 auch bei unserem jährlich stattfindenden globalen Safety Day im Vordergrund.

eingeschränkt geprüft

 Online-Ergänzung: 3-11-2

Die Initiative Behavioral Safety (bs) wurde vom Bayer Safety Council unter Vorsitz des Vorstandsvorsitzenden Anfang des Jahres 2014 beschlossen. Der Faktor Mensch und das sicherheitsbewusste Verhalten unserer Mitarbeiter stehen hierbei im Mittelpunkt der Initiative. Unter Behavioral Safety versteht man verhaltensbezogene Sicherheitsansätze: Unsichere Arbeitsweisen sollen erkannt und vermieden werden, sichere Arbeitsweisen dementsprechend gestärkt und verfestigt werden – und zwar auf allen Ebenen. Dieser Ansatz geht weit über die Nutzung in der Produktion hinaus und soll auch Arbeitsfelder wie Forschung & Entwicklung, Marketing & Sales sowie Administration erfassen. Im Berichtsjahr wurden bs-Pilotprojekte von den Teilkonzernen an verschiedenen Standorten weltweit initiiert oder sind bereits in Umsetzung. HealthCare hat seinen Fokus auf den Vertriebsbereich gelegt, CropScience und MaterialScience mehr auf die Produktion, aber auch auf die Verwaltungsbereiche.

Unsere Kampagnen zur Verkehrssicherheit und zur Vermeidung von Unfällen durch Stolpern, Rutschen und Stürzen wurden 2014 von den Teilkonzernen mit landesspezifischen Maßnahmen zur Unfallverhütung fortgeführt.

Verfahrens- und Anlagensicherheit 

Mit der konzernweiten Initiative zur Verfahrens- und Anlagensicherheit (Top Performance in Process and Plant Safety, topps) arbeitet Bayer kontinuierlich an der Weiterentwicklung der Sicherheitskultur und den entsprechenden Standards in den Betrieben und Labors sowie der Optimierung der Sicherheitstechnik. In der entsprechenden Konzernregelung „Verfahrens- und Anlagensicherheit“ sind einheitliche Verfahren und Standards vorgeschrieben. Methoden und Kriterien zur Erkennung und Bewertung des von den Prozessen und Anlagen ausgehenden Risikos für Menschen und Umwelt wurden weiterentwickelt und weltweit vereinheitlicht.

eingeschränkt geprüft

 Online-Ergänzung: 3-11-3

Eine wesentliche Maßnahme aus der „topps“-Initiative ist die intensive Schulung aller Bayer-Mitarbeiter, die in ihrem beruflichen Umfeld Verfahrens- und Anlagensicherheit beeinflussen können. Das sind weltweit rund 26.000 Mitarbeiter aus den Bereichen Produktion und Technik, die in auf ihr Tätigkeitsfeld zugeschnittenen, verbindlichen Seminaren regelmäßig geschult werden. Für die Handwerker und Chemikanten in den Produktionsanlagen wurde die Schulung als Präsenz- und Web-Based-Training aufbereitet. Um das erreichte Niveau dauerhaft aufrechtzuerhalten, haben wir das Schulungsprogramm zur Verfahrens- und Anlagensicherheit in den hseq-Managementsystemen der Teilkonzerne verankert.

Für alle Bayer-Anlagen gilt eine weltweit einheitliche Kennzahl für Anlagensicherheitsereignisse, Loss of Primary Containment (LoPC-Stofffreisetzung/Leckagen), die in das konzernweite Sicherheitsberichtswesen integriert ist. Unter LoPC versteht man z. B. den Austritt von Chemikalien oberhalb definierter Mengenschwellen aus ihrer ersten Umhüllung wie Rohrleitungen, Pumpen, Tanks oder Fässer. Der LoPC ist somit ein Indikator für Ereignisse in den Produktionsanlagen. Mittels der LoPC-Incident-Rate (LoPC-ir) ermitteln wir die Zahl der LoPC-Ereignisse bezogen auf 200.000 Arbeitsstunden in den für Anlagensicherheit relevanten Bereichen. Diese lag 2014 bei 0,23 (Vorjahr 0,35).

Quote der Anlagensicherheits-Ereignisse (LoPC-IR1)     [Tabelle 3.11.2]
  2012 2013 2014
LoPC-IR 0,38 0,35 0,23
1LoPC-IR = Loss of Primary Containment Incident Rate
eingeschränkt geprüft

 Online-Ergänzung: 3-11-4

Jedes gemeldete Ereignis wird hinsichtlich seiner Ursachen sorgfältig analysiert. Das Ergebnis der Ursachenanalyse wird konzernweit publiziert, um das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter zu schärfen. Die Meldeschwelle wurde so niedrig gesetzt, dass auch solche Stoff- und Energiefreisetzungen systematisch erfasst und berichtet werden, die keine Auswirkungen auf Mitarbeiter, Nachbarn oder die Umwelt haben. Dieser Ansatz folgt dem Anspruch, dass die Integrität unserer Anlagen immer gewahrt bleibt. Erwartungsgemäß haben die Auswertungen der ersten Jahre Hinweise ergeben, wo Schwerpunkte zur weiteren Verbesserung der Sicherheit in den bestehenden Anlagen gesetzt werden können. Die Einführung dieser Messgröße und des o. g. weltweit etablierten Schulungsprogramms hilft uns dabei, das Bewusstsein für die Bedeutung kleiner Leckagen und Freisetzungen zu stärken.

Beispielhaft für die systematische, globale Optimierung unserer Sicherheitsprogramme ist das Projekt von CropScience, das der weltweiten Standardisierung der Sicherheitsmaßnahmen dient, um Feuer, Explosionen, Leckagen und Überläufe („Spill“) zu verhindern.

Das Kompetenzzentrum für Verfahrens- und Anlagensicherheit des Bayer-Konzerns mit der konzernübergreifenden hseq-Plattform „Process and Plant Safety“ wird von Technology Services geführt. Dazu gehören drei regionale Kompetenzzentren: an den Standorten Leverkusen in Deutschland, Shanghai in China sowie in den usa an den beiden Standorten Baytown und Kansas City.

eingeschränkt geprüft

 Online-Ergänzung 3-11-5

Wir beteiligen uns in internationalen Arbeitsgruppen des International Council of Chemical Associations (Weltchemieverband) und des American Petroleum Institute an der Erarbeitung eines globalen Berichtsstandards für die Kennzahlen zur Anlagensicherheit. Zudem pflegen wir zu diesem Thema auf Industrieebene einen intensiven Erfahrungsaustausch.

Transportsicherheit 

Der Transportsicherheit wird innerhalb der Bayer-Sicherheitskultur sehr hohe Priorität eingeräumt. In der entsprechenden Konzernrichtlinie sind Vorgehensweisen festgelegt, die sicherstellen, dass alle transportierten Materialien entsprechend den einzuhaltenden Vorschriften und ihrem jeweiligen Gefährdungspotenzial gehandhabt werden. Logistikdienstleister werden nach einem festgelegten Verfahren ausgewählt und regelmäßig hinsichtlich ihrer Sicherheits- und Qualitätserfüllung bewertet. Der Richtlinie entsprechend sind in allen betreffenden Unternehmensbereichen Verantwortliche für die Umsetzung benannt.

Die konzernweit agierende Plattform Transportation Safety legte 2014 den Schwerpunkt u. a. auf die Themen Vorschriften-Management, nachhaltige Trainingstools im Bereich Transportsicherheit, Überprüfung interner Anweisungen sowie Bewertung und Auswahl unserer Logistik-Dienstleister. Diese Themen sind in entsprechenden hseq-Zielen dokumentiert. Darüber hinaus werden im Rahmen unserer Responsible-Care-Aktivitäten auch für Nicht-Gefahrgüter Transportsicherheitsanweisungen erstellt und Transport-Risiko-Analysen für Gefahrguttransporte durchgeführt, die über den gesetzlichen Anforderungen des Transportrechtes liegen. Um den konzerninternen Wissensaustausch zu unterstützen, fand 2014 erstmalig ein Globales Transportation Safety Symposium mit 160 Teilnehmern aus 20 Ländern statt.

Das Transportsicherheits-Management der Teilkonzerne ist Teil des Audit-Systems des Bayer-Konzerns, das in der Konzernregelung „Gesundheits-, Sicherheits-, Umweltschutz- und Qualitäts (hseq)-Audits“ festgelegt ist.

Als Transportereignisse erfassen wir kritische Ereignisse während der Beförderung unserer Produkte. Dazu zählen etwa Unfälle mit Personen- oder erheblichem Sachschaden, die Beeinträchtigung der Umwelt durch frei werdende Stoffe oder der Austritt gefährlicher Güter. Wir nehmen die Transportereignisse nach festgelegten Kriterien auf. Bewertungsmaßstäbe sind die ausgetretene Ladung, gestaffelt nach Menge und Gefahrgutklasse, Personenschäden oder blockierte Transportwege. Dabei berücksichtigen wir sowohl eigene als auch von uns beauftragte und bezahlte Chemikalientransporte von Dritten.

Insgesamt wurden im Jahr 2014 weit über eine Million Transportbewegungen unternommen. Trotz unserer umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen und -trainings lassen sich Transportereignisse leider nicht vollständig verhindern. Alle Ereignisse analysieren und bewerten wir detailliert, um adäquate Maßnahmen zu ihrer zukünftigen Vermeidung einleiten zu können. Die Zahl der Transportereignisse stieg im Berichtszeitraum von elf auf zwölf.

eingeschränkt geprüft

 Online-Ergänzung 3-11-6

Transportereignisse nach Transportmitteln   [Tabelle 3.11.2-1]
  2010 2011 2012 2013 2014
Straße 6 6 6 8 11
Schiene 1 1 0 0 1
Binnenschiff 1 0 0 0 0
Seeschiff 0 0 0 3 0
Flugzeug 0 0 0 0 0
Pipeline 0 0 0 0 0
Gesamt 8 7 6 11 12

Eine detaillierte Übersicht der Transportereignisse finden Sie im Kapitel 12.6 „Umweltschutz“ unter der Online-Ergänzung 3-12.6-2.

Letzte Änderung: 3. März 2015  Copyright © Bayer AG
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