Lagebericht & Ergänzungen | Grundlagen des Konzerns

10. Produktverantwortung

Die möglichen Gesundheits- und Umweltrisiken eines Produkts bewerten wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das reicht von der Forschung und Entwicklung über Produktion, Vermarktung und Anwendung beim Kunden bis hin zur Entsorgung.

Dabei geht es nicht nur um die sichere Handhabung und Anwendung unserer Produkte, sondern auch um transparente Kommunikation und die Vermittlung von Produktsicherheitsinformationen. Produktverantwortung umfasst sowohl die Einhaltung gesetzlicher Regelungen als auch freiwilliges Engagement. Dabei berücksichtigen wir auch das Vorsorgeprinzip, wie es in Grundsatz 15 der Rio-Deklaration der Vereinten Nationen und der Mitteilung com (2000) 1 der eu-Kommission erläutert ist.

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Wir akzeptieren das Vorsorgeprinzip als mögliches Instrument des Verbraucherschutzes bzw. des Risikomanagements. Es findet Anwendung, wenn letztliche wissenschaftliche Sicherheit nicht gegeben ist, gleichzeitig aber Belege vorhanden sind, dass erhebliche oder irreversible Schäden gegenüber Mensch und Umwelt eintreten können, denen entgegengetreten werden muss. Eine Balance zwischen Risiken und Chancen muss aber immer gewährleistet werden. Der Fokus sollte nicht einseitig auf dem Gefährdungspotenzial liegen.

Bayer überwacht alle Produkte, die bereits auf dem Markt sind. Darüber hinaus haben wir in allen Teilkonzernen Prozesse etabliert, Anfragen zur Produktsicherheit oder zu Problemen mit unseren Produkten aufzugreifen. Diese Rückmeldungen fließen systematisch in unsere Risikobewertung ein. In diese beziehen wir auch Stoffe mit ein, die von Behörden und unabhängigen Institutionen als potenziell risikobehaftet betrachtet werden.

Als Beitrag zur sicheren Handhabung von Chemikalien werden Risikobewertungen anhand anerkannter wissenschaftlicher Prinzipien, wie z. B. in der echa (Europäische Chemikalienagentur)-Guidance on Information Requirements and Chemical Safety Assessment, durchgeführt.

Sollten sich bei der Bewertung oder durch neue Erkenntnisse herausstellen, dass die Verwendung einer Chemikalie nicht sicher ist, ergreifen wir die erforderlichen Risikominderungsmaßnahmen. Diese können von geänderten Anwendungsempfehlungen über eine nicht mehr gegebene Unterstützung einer bestimmten Anwendung bis zur Substitution eines Stoffes reichen. In diesem Fall muss nach einem Ersatz gesucht werden, der wirtschaftlich und technisch machbar ist. Grundsätzlich ist die Substitution von Chemikalien eine permanente Aufgabe in der chemisch-pharmazeutischen Industrie, um neue oder wesentlich verbesserte Produkte und Prozesse zu erhalten. Dies ist Grundlage der reach (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals)-Verordnung, aber auch Teil unserer Verpflichtung zu Responsible Care.

Bayer unterstützt seit 1994 die freiwillige „Responsible CareTM“-Initiative der chemischen Industrie, die 2006 mit der „Responsible CareTM Global Charter“ auf eine weltweite Basis gestellt worden ist. Wir decken alle wesentlichen Elemente der Charta an allen Standorten des Konzerns durch unsere hseq (Gesundheit, Sicherheit, Umweltschutz und Qualität)-Management-Systeme und -Aktivitäten ab. Darüber hinaus beteiligen wir uns in Verbänden und Initiativen an der Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Risikobewertung.

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Internationale Verbände wie der europäische und der internationale Chemieverband (cefic, icca) oder die oecd (Organisation for Economic Co-operation and Development) und Initiativen wie ecetoc (European Centre for Ecotoxicology and Toxicology of Chemicals) oder epaa (European Partnership for Alternative Approaches to Animal Testing) arbeiten daran, die wissenschaftliche Bewertung von Chemikalien weiterzuentwickeln, neue Testmethoden zu erforschen und die Umsetzung gesetzlicher Regelungen zu verfolgen. Bayer begleitet dies aktiv in der Verbandsarbeit. Außerdem engagieren wir uns u. a. im Rahmen der „Long-Range Research Initiative“ der icca und unterstützen die Zielsetzung der who- und eu-Aktionspläne zur Verbesserung von Gesundheit und Umwelt, z. B. mit der Weiterentwicklung des Human-Biomonitoring im Rahmen einer Kooperation des Verbands der Chemischen Industrie (vci) und des deutschen Bundesumweltministeriums.

Umsetzung von Verordnungen und freiwilligen Programmen zu Chemikalien

Seit 2007 arbeiten wir nach Maßgabe der europäischen Chemikalienverordnung reach (Registration, Evaluation, Authorization and Restriction of Chemicals). Alle unsere Aktivitäten als Hersteller, Importeur und Anwender sind davon betroffen. Um mit der Vielzahl und Komplexität der reach-Anforderungen angemessen umzugehen, haben wir konzernweite und teilkonzernspezifische Regelungen formuliert. Die Registrierungspflicht gemäß reach gilt unabhängig von der Vermarktung für alle Stoffe, die wir in einer Menge von über einer Tonne produzieren oder importieren.

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Die vorgegebenen Registrierungsphasen für schon länger verwendete Stoffe halten wir ein. Die letzte Registrierungsphase endet am 1. Juni 2018. Bereits registrierte Stoffe aus den ersten beiden Registrierungsphasen werden derzeit durch die Behörden bewertet. Daraus könnten sich künftig zusätzliche Prüfanforderungen, neue Risikomanagementmaßnahmen oder auch die Aufnahme in das Zulassungsverfahren ergeben.

Von dem reach-Zulassungsverfahren, das die Verwendung besonders gefährlicher Stoffe einschränkt oder auch zu deren Ersatz oder Verbot führen kann, sind auch einige Bayer-Stoffe betroffen.

Behörden überprüfen im Rahmen von regelmäßigen Inspektionen die Umsetzung von reach. Bisher führte keine der Inspektionen bei Bayer zu Beanstandungen. Da wir als Anwender viele Produkte anderer Hersteller einsetzen, stehen wir in engem Kontakt zu unseren Lieferanten und lassen uns die reach-Konformität der gelieferten Produkte bestätigen.

Unser Konzernziel zur Produktverantwortung sieht vor, die Bewertung des Gefahrenpotenzials aller Substanzen, die in Mengen von mehr als einer Tonne pro Jahr verwendet werden, bis 2020 abzuschließen. Wir gehen damit über gesetzliche Anforderungen hinaus und stellen sicher, dass ähnliche Stoffbewertungen wie unter reach auch an Bayer-Standorten zur Anwendung kommen, die dieser europäischen Verordnung nicht unterliegen. Die Vorgehensweise zur Umsetzung des Ziels ist in unserer Konzernregelung „Stoffinformation und Auskunftsfähigkeit“ festgelegt.

Gleichzeitig setzen wir das 2009 in der Europäischen Union (eu) in Kraft getretene „Globally Harmonized System“ (ghs) zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien um. Ziel dieser Regelung ist ein weltweit einheitliches System zur Einstufung von Chemikalien sowie deren Kennzeichnung auf Verpackungen und in Sicherheitsdatenblättern.

Wir unterstützen außerdem die „Global Product Strategy“ (gps), eine freiwillige Selbstverpflichtung der chemischen Industrie auf Initiative des Weltchemieverbands icca. Sie soll das Wissen über chemische Produkte vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern verbessern und damit die Sicherheit im Umgang mit diesen Produkten erhöhen. icca hat ein Informationsportal eingerichtet, auf dem zusammengefasste Informationen zu Produkten („gps Safety Summaries“) bereitgestellt werden. Besonders relevant ist gps für MaterialScience.

Alle Teilkonzerne erfassen nach den jeweiligen Produktsicherheits- und Informationspflichten Produkt­informationen, ob für Rohstoffe, Zwischen- oder Endprodukte. Um den weltweiten Zugang zu diesen Informationen abzusichern, nutzen unsere Teilkonzerne entsprechende it-Systeme, u. a. auch zur Produktkennzeichnung.

Produktverantwortung beim Einsatz von Biotechnologie

Die Produktentwicklungsabteilungen in unseren Bereichen Pharma und Pflanzenschutz nutzen biotechnologische Methoden. In der pharmazeutischen Produktentwicklung hat die Biotechnologie bereits eine größere Bedeutung erlangt. HealthCare-Produkte, die in biotechnologischen Verfahren hergestellt werden, sind BetaferonTM/BetaseronTM, KogenateTM und EyleaTM.

In der Pflanzenbiotechnologie können durch den Einsatz gentechnischer, aber auch konventioneller Züchtungsmethoden der Ernteertrag, die Ertragssicherheit und die Stresstoleranz von Pflanzen erhöht werden, ohne den Ressourceneinsatz steigern zu müssen.

Auch beim Einsatz von Biotechnologie hat die Sicherheit für Bayer höchste Priorität. Über die Beachtung aller einschlägigen Rechtsvorschriften hinaus haben wir eine Konzernregelung „Position zum verantwortungsvollen Umgang mit der Gentechnik“ sowie spezifische Regelungen für die Teilkonzerne und Servicegesellschaften formuliert.

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Vor der Marktreife prüfen wir jedes Produkt im Rahmen strenger Zulassungsverfahren auf seine Sicherheit für Mensch, Tier und Umwelt.

HealthCare hat seine strengen Sicherheitsmaßnahmen beim Umgang mit biologischen Stoffen in Forschung, Entwicklung und Produktion in der Direktive zur „Biologischen Sicherheit" und der Verfahrensanweisung „Vorgehensweise zum sicheren Umgang mit biologischen Stoffen" festgelegt.

CropScience hat seinen Fokus auf Produktverantwortung sowohl für interne als auch externe Kunden durch sein Engagement im „Excellence Through Stewardship“-Programm der Industrie fortgesetzt. Produktverantwortung und Qualitätsmanagement-Prozesse haben oberste Priorität bei allen Aktivitäten der Pflanzenbiotechnologie.

Wir informieren unsere Stakeholder umfassend, transparent und verlässlich über unsere Produkte und Dienstleistungen gemäß unserer Konzernregelung zum verantwortungsvollen Marketing.

Tierschutz im Fokus

Um die Auswirkungen unserer Produkte vor allem auf den Menschen, aber auch auf Natur und Umwelt gesetzeskonform zu bewerten, sind Tierversuche vorgeschrieben und wissenschaftlich notwendig. In der Forschung nach neuen Arzneimittelwirkstoffen sind diese nur bedingt ersetzbar. In unserem Umgang mit Tieren respektieren wir alle rechtlichen Anforderungen des Tierschutzes. Sollten zur Bewertung unserer Substanzen Tierversuche notwendig sein, folgt Bayer den sogenannten 3r-Prinzipien:

  • „replace“: Vor jedem Projekt überprüfen wir, ob es anerkannte tierversuchsfreie Methoden gibt, und setzen diese dann ein.
  • „reduce“: Gibt es keine alternative Methode, werden nur so viele Tiere eingesetzt, wie nötig sind, um auf Basis der gesetzlichen Vorgaben zu wissenschaftlich aussagekräftigen Ergebnissen zu gelangen.
  • „refine“: Bei Tierversuchen achten wir darauf, dass die Belastung dabei so gering wie möglich ist.

Wir haben in diesem Jahr erstmals einen internen 3r-Award ausgelobt, der besondere Beiträge zum Tierschutz belohnt und firmenintern bekannt macht.

Unsere Prinzipien gelten auch für die von uns beauftragten Forschungsinstitute sowie unsere Lieferanten, die wir regelmäßig auf die Einhaltung des Tierschutzes überprüfen. Auf Basis einer Lieferantenselbstauskunft werden die gemachten Angaben bei Audits vor Ort überprüft. Aktuelle Zahlen und weitere Informationen finden sich auf unserer Webseite.

Das „Global Animal Welfare Committee“ von Bayer überwacht die Einhaltung unserer Grundsätze zu Tierschutz und Tierversuchen im Konzern und bei externen Studien.

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Das Komitee, das sich aus den Tierschutzbeauftragten unserer Forschungsstandorte und weiteren Bayer-Experten zusammensetzt, hat Leistungsindikatoren definiert. Wir analysieren jährlich die Entwicklung der Tierzahlen, die Verteilung der Arten, die Belastung unserer Versuchstiere sowie das Verhältnis regulatorisch geforderter Studien im Vergleich zu explorativen und diskutieren mögliche Maßnahmen im Sinne des 3r-Prinzips. So können wir zeigen, dass seit 2005 pro eine Million Euro Forschungsbudget die Anzahl aller verwendeten Versuchstiere (Tiere aus Bayer-Studien über Auftragsforschungsinstitute eingeschlossen) von rund 96 Tieren auf rund 51 Tiere im Jahr 2013 zurückgegangen ist.

Zusätzlich wurde eine interne Datenbank aufgebaut, die alle Informationen über unsere eigenen Tierversuche und die Bewertung unserer Kooperationspartner zusammenführt und sie für alle Mitarbeiter in diesem Bereich verfügbar macht. Alle Teilkonzerne wenden klare Regularien an, um die Einhaltung des Tierschutzes bei unseren Partnern flächendeckend zu gewährleisten.

Bayer beteiligt sich außerdem an mehreren europäischen Konsortien, die die Verringerung von Tierversuchen oder eine verbesserte Aussagekraft von Tierversuchen zum Ziel haben: Wir engagieren uns u. a. in der „Europäischen Partnerschaft für alternative Ansätze zu Tierversuchen (epaa)“ und sind bei HealthCare an der Leitung des „etox“-Projekts und im „marcar“-Projekt der Innovative Medicines Initiatives (imi) beteiligt. Wir wirken an der lri (Long Range Research Initiative) mit, die aktuell Projekte zum Thema „Augenreizung“ verfolgt. In Deutschland unterstützen wir die Stiftung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen (set).

Schutz vor Produktfälschungen

Der illegale Handel mit gefälschten Medikamenten und Pflanzenschutzprodukten nimmt weltweit zu. Gefälschte Produkte bergen zum einen erhebliche Gefahren für Patienten und Konsumenten, darüber hinaus verursachen sie durch minderwertige Qualität erhebliche finanzielle Schäden für Hersteller und Anwender.

Zur Bekämpfung von Produktfälschungen müssen Industrie, Verbände, staatliche Stellen und nichtstaatliche Organisationen gemeinsam vorgehen. Bayer setzt sich kontinuierlich für eine Verschärfung und Erweiterung bestehender Gesetze und Bestimmungen ein, die der Erkennung und Beschlagnahme illegaler Produkte dienen. Durch umfangreiche eigene Maßnahmen klären wir unsere Kunden sowohl über Gefahren als auch potenziell mangelnde Wirksamkeit gefälschter Produkte auf.

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In der Zollstatistik der eu belegen Arzneimittelfälschungen laut Bericht der Europäischen Kommission einen Spitzenplatz. Die Behörden stellten 2013 etwa 3,7 Millionen Arzneimittelfälschungen sicher, was einer Verfünffachung gegenüber dem Vorjahr entspricht. In enger Zusammenarbeit mit Behörden arbeitet Bayer daran, die Gesundheit von Patienten, Kunden und Anwendern zu schützen. Im Fokus stehen dabei Aufklärung und Information zur sicheren Identifizierung unserer Originalprodukte sowie rechtliche Maßnahmen zur Minimierung des illegalen Handels. 

Auf der Internet-Plattform „Vorsicht Fälschung“ informiert HealthCare über die mit Arzneimittelfälschungen verbundenen Risiken und gibt Patienten Hinweise, wie sie sich schützen können. Bayer beteiligt sich an der Interpol-Initiative „Pharmaceutical Industry Initiative to Combat Crime“ (piicc) zur Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen durch weltweite Strafverfolgung und Eliminierung entsprechender krimineller Netzwerke.

Wir unterstützen zudem den Aufbau eines paneuropäischen Systems zur Verifizierung von Arzneimittelverpackungen, das den Anforderungen der „eu Falsified Medicine Directive“ entspricht. In Deutschland sind wir Mitglied im Projekt „SecurPharm“.

Der Anteil illegaler Produkte im Pflanzenschutzmittelmarkt liegt nach letzter Schätzung von Europol bei über 10 %, in einigen eu-Mitgliedstaaten bei 25 %. CropScience informiert Händler, Landwirte und Behörden und stellt ihnen Trainingsmaterial und Services (Handbücher, Workshops, chemisch-analytische Untersuchungen etc.) zur Verfügung, damit Fälschungen erfolgreich erkannt und bekämpft werden können. 2014 wurden Schulungen u. a. in China und Ländern der eu durchgeführt, bei denen Bayer auf die Gefahren durch Produktfälschungen aufmerksam gemacht und Möglichkeiten zur besseren Bekämpfung verbreitet hat. Wir unterstützen dazu auch Initiativen von globalen und regionalen Verbandsgremien, wie die „Anti-Counterfeiting Expert Group“ der European Crop Protection Association (ecpa) und das „Anti-Counterfeiting Steering Committee“ des internationalen Indus­trieverbands CropLife International (cli). Ein Beispiel hierfür ist die Schulung von nationalen Indus­trieverbänden im Rahmen des European Association Network Anti-Counterfeiting Forum.

CropScience arbeitet intensiv mit nationalen und internationalen Behörden zusammen. Immer wieder führt dies zur Beschlagnahmung gefälschter Produkte, so auch 2014 durch die nachdrückliche Unterstützung der europäischen Behörden bei ihren Untersuchungen krimineller Netzwerke. CropScience arbeitet mit Reedereien und europäischen Importhäfen zusammen, um u. a. durch genauere Fracht- und Kundenprüfung den Transport von Fälschungen zu verhindern. Die meisten Produktfälschungen stammen ursprünglich aus Asien und gelangen über europäische Frachthäfen nach Europa. Mit unserer Unterstützung konnten auch 2014 erhebliche Mengen illegaler Produkte von den Hafenbehörden beschlagnahmt werden. CropScience nimmt außerdem selbst Kontrollen verdächtiger Warenlieferungen vor. Unser seit Jahren aktives Vorgehen gegen den illegalen Parallelhandel (z. B. in Deutschland) zeigt nun erkennbare Erfolge. Im Berichtsjahr wurden im Vergleich zum Vorjahr viel weniger Muster illegaler Parallelhandelsprodukte gefunden. Auch hier wurden erfolgreich rechtliche Schritte eingeleitet.

HealthCare

Nutzen-Risiko-Management von Arzneimitteln und Medizinprodukten

HealthCare bewertet kontinuierlich das medizinische Nutzen-Risiko-Verhältnis seiner Arzneimittel und Medizinprodukte über den gesamten Lebenszyklus. Für diesen Prozess bilden Experten verschiedener Disziplinen funktionsübergreifende Sicherheitsmanagement-Teams (smts). Diese Teams analysieren gemeinsam die für das Produkt verfügbaren Nutzen- und Risikodaten sowie andere relevante Informationen, um mögliche Sicherheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und das medizinische Nutzen-Risiko-Verhältnis zu bewerten. Um die verfügbaren Daten auf eine möglichst breite Basis zu stellen, werden auch externe Datenbanken einbezogen. Sollten bedeutende Risiken festgestellt werden, ergreift HealthCare unverzüglich risikominimierende Maßnahmen, wie z. B. die Aktualisierung der Produktinformation für Patienten und Ärzte.

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Weitere Instrumente zur Risikominimierung sind gezielte Informationen, wie z. B. Patienten-Informationsbroschüren und Trainingsmaßnahmen für Ärzte und Patienten. Die smts erfassen Informationen zum medizinischen Nutzen-Risiko und erstellen detaillierte Sicherheitsrisiko-Managementpläne. Diese Pläne werden aktualisiert, sobald relevante neue Nutzen-Risiko-Daten verfügbar sind. Die Implementierung der risikominimierenden Maßnahmen wird von lokalen smts in den Landesorganisationen koordiniert.

Die globale Arzneimittelsicherheit von HealthCare führt kontinuierlich sicherheitsrelevante Informationen für unsere Produkte in der firmeneigenen globalen Sicherheitsdatenbank zusammen. Die Informationen werden von Experten fortlaufend aktualisiert und bewertet. Bayer arbeitet dabei eng mit den zuständigen Zulassungs- und Überwachungsbehörden auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene zusammen. Dazu zählen u. a. die us-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (fda), die europäische Arzneimittelagentur European Medicines Agency (ema) und das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Weitere Beiträge zu mehr Sicherheit leisten das Qualitäts- und Risikomanagement von HealthCare. Externe und interne Anforderungen zur Qualitätssicherung bei unseren Produkten überprüfen wir durch systematische interne Inspektionen – sowohl in der Forschung und Entwicklung als auch in der Produktion. Diese Inspektionen schließen auch die von uns beauftragten Institute und unsere Lieferanten mit ein. Durch unser Sicherheitsrisiko-Managementsystem werden Arzneimittelrisiken systematisch identifiziert, bewertet und erforderliche Maßnahmen eingeleitet. Länder und Regionen erhalten stete Unterstützung bei der Einhaltung regulatorischer Erfordernisse im Arzneimittelbereich.

Bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen unserer Forscher folgen wir anerkannten internationalen Standards, zu denen wir uns in einer „Good Publication Policy“ verpflichtet haben. In unseren klinischen Studien orientieren wir uns an den Richtlinien zu „Good Clinical Practices“ der who sowie den Vorgaben der „International Conference on Harmonization“ (ich). Aufbau und Ergebnisse klinischer Studien legen wir offen.

Untersuchung von Arzneimittelrückständen in der Umwelt

Arzneimittelwirkstoffe können über menschliche Ausscheidungen oder Ausscheidungen von Nutztieren, eine falsche Entsorgung durch die Anwender oder durch Rückstände im Abwasser der Arzneimittelproduktion in die Umwelt gelangen.

Von Behörden und wissenschaftlichen Instituten vorgenommene Messungen haben ergeben, dass die in Trinkwasser vorhandenen Konzentrationen einzelner pharmazeutischer Wirkstoffe aus Human- oder aus Tierarzneimitteln unter der Menge liegen, die pharmakologische Auswirkungen für den Menschen hätte. Das Vorkommen einzelner pharmazeutischer Wirkstoffe in Gewässern oder Trinkwasser stellt nach unserem aktuellen Wissensstand kein Risiko für Menschen dar. Das bestätigt auch die who in ihrem letzten aktuellen Bericht zu Arzneimitteln im Trinkwasser.

Um mögliche Umweltauswirkungen unserer pharmazeutischen Produkte beurteilen zu können, führt HealthCare ökotoxikologische Untersuchungen zum Umweltverhalten von Rückständen und Abbauprodukten durch.

Bei der Einreichung der Dossiers für die europäischen Zulassungsbehörden, sowohl für Tier- als auch Humanarzneimittel, ist eine Umweltbeurteilung erforderlich, die Eingang in den öffentlich zugänglichen Bewertungsbericht (epar) findet. Auch die us-amerikanische Zulassungsbehörde fda verlangt die Einreichung einer Umweltverträglichkeitsbewertung. Im Rahmen der Zulassungsverfahren ist dabei nachzuweisen, dass bei bestimmungsgerechter Anwendung der Arzneimittel keine signifikanten Umweltgefährdungen auftreten können.

Firmeninterne Abwasser-Schwellenwerte stellen sicher, dass von der Freisetzung von Wirkstoffspuren im Abwasser der Produktionsstandorte kein Umweltrisiko ausgeht. Alle HealthCare-Produktionsstandorte weltweit werden hinsichtlich dieser Schwellenwerte überprüft. Falls diese nicht dauerhaft sicher eingehalten werden können, sind standortspezifische Maßnahmen zur weiteren Reduktion vorgesehen. Neben der biologischen Klärung in Kläranlagen werden auch wirkstoffspezifische, weitergehende Rückhaltemaßnahmen eingesetzt.

HealthCare pflegt zu diesen Themen den regelmäßigen Kontakt mit verschiedenen Anspruchsgruppen.

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HealthCare sieht sich in der Verantwortung, seine Strategie zum Umgang mit Arzneimittelrückständen in der Umwelt kontinuierlich weiterzuentwickeln. Auf wissenschaftlicher Ebene beteiligt sich HealthCare an Forschungsprojekten, um Arzneimittelrückstände in der Umwelt weiter zu erforschen und zielgerichtete Maßnahmen ergreifen zu können.

Bayer ist im wissenschaftlichen Beirat (Scientific Advisory Board) des von der eu geförderten Projekts zur Reduzierung pharmazeutischer Spurenstoffe im Wasser „noPILLS vertreten. Das Projekt widmet sich der Frage, ob und inwieweit Strategien Erfolg versprechend sein können, die an der Quelle – also bereits dort, wo die Rückstände ins Abwasser gelangen – ansetzen und nicht erst in der Abwasserverarbeitung. Die Stadt Dülmen, Deutschland, wurde als Modell ausgewählt, um Eintragswege genauer zu betrachten. Das Vorgängerprojekt „PILLS war zu dem Ergebnis gekommen, dass durch die Einrichtung von Krankenhauskläranlagen mit spezieller Klärtechnik der Wirkstoffgehalt im Abwasser zwar verringert werden kann, diese Reinigungstechnologie jedoch derzeit noch erhebliche Kosten nach sich ziehen würde. Aufbauend auf das „PILLS“-Projekt erweitert das „noPILLS-Projekt nun den Blick auf Medikamentenrückstände im Abwasser insgesamt sowie den Wandel des Konsumentenverhaltens in Testregionen, beispielsweise bei der Entsorgung von Altarzneimitteln. Im Berichtsjahr beriet HealthCare zwei der Projektpartner bei den Vorbereitungen einer Sammelkampagne von iodierten Röntgenkontrastmitteln in Krankenhäusern.

In Deutschland engagiert sich HealthCare an der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Initiative „Risikomanagement von neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf“ (RiSKWa). HealthCare ist Mitglied im Lenkungskreis.

Sicherheits- und Qualitätsstandards bei Animal Health

Für alle Animal-Health-Produktklassen gelten entsprechend den gesetzlichen Anforderungen strenge Qualitätsstandards. Für Tierarzneimittel, wie Parasitizide, Entwurmungsmittel oder Antibiotika, gelten hohe, mit denen der Humanmedizin vergleichbare Sicherheits- und Qualitätsstandards. Im Rahmen der gesetzlichen Zulassungsverfahren führt Animal Health Studien durch, um Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit der Produkte zu gewährleisten und Umweltauswirkungen durch ihre Anwendung zu minimieren.

Wir arbeiten mit Tierärzten, Landwirten und privaten Anwendern zusammen, um den verantwortungsvollen Umgang mit unseren Produkten zu fördern. Insbesondere eine umsichtige Verwendung von Antibiotika ist für die öffentliche Gesundheit von großer Bedeutung. Aus diesem Grund haben wir klare Richtlinien für den Einsatz von Fluorchinolonen etabliert. Wir unterstützen hierzu auch die „European Platform for the Responsible Use of Medicines in Animals“. Diese vereint verschiedene Partnerorganisationen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

CropScience

Auch bei den Produkten von CropScience steht die Sicherheit im Mittelpunkt. Schon vor der Produktentwicklung untersuchen wir, ob die angestrebte Lösung mit unserem Nachhaltigkeitsansatz vereinbar ist. Während der Entwicklungsphase überprüfen wir die Produkte in strengen und behördlich kontrollierten Tests. Dabei geht es zum einen um die toxikologischen Eigenschaften eines Wirkstoffs, zum anderen aber auch um die Frage, wie viele Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nach fachgerechter Anwendung auf den Pflanzen verbleiben. Bevor ein Produkt auf den Markt kommt, führen wir je nach Produktbereich zahlreiche weitere Sicherheitsprüfungen bezogen auf Anwendung und Umweltverhalten durch.

Ende 2012 hat CropScience den Verkauf aller noch verbliebenen insektiziden Pflanzenschutzmittel der who-Klasse i für Blatt- und Bodenanwendungen sowie Saatgutbehandlungen auslaufen lassen. Alle entsprechenden Insektizide wurden durch moderne, zielgerichtete und umweltfreundlichere Formulierungen ersetzt.

CropScience folgt dem Internationalen Verhaltenskodex der Welternährungsorganisation (fao) zu Vertrieb und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Dessen Grundsätze decken den gesamten Lebenszyklus eines Produkts ab – von der Entwicklung bis zur Anwendung und darüber hinaus. Alle wesentlichen Aspekte einer verantwortlichen Produkthandhabung setzen wir in unserem „Product Stewardship“-Programm um, das den Grundsätzen unserer „Product Stewardship Policy“ folgt.

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CropScience engagiert sich auch über das Kerngeschäft hinaus gezielt in Projekten für mehr Produktverantwortung. Wir sind Mitglied der „Better Sugarcane Initiative", die sich für den nachhaltigen Zuckerrohranbau in Brasilien einsetzt, sowie des „International Sustainability & Carbon Certification“-Vereins, der an der Etablierung eines Systems zur Zertifizierung von Biomasse und Bioenergie arbeitet. Darüber hinaus nehmen wir am „Round Table for Responsible Soy" teil, der sich für die nachhaltige Produktion von Soja einsetzt, sowie am „Round Table for Sustainable Palm Oil Production“.

Verantwortung für Kunden und Partner

Bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist größtmögliche Sorgfalt notwendig. Daher ist die Unterstützung unserer Kunden und Partner im fachgerechten und sicheren Umgang mit den Produkten ein Schwerpunkt der Produktverantwortung bei CropScience. Mit zahlreichen Programmen weltweit wenden wir uns insbesondere an Landwirte und Händler. Gezielte Schulungen dienen dazu, unsere Produkte effektiv einzusetzen und die Sicherheit für Anwender, Umwelt und Konsumenten zu gewährleisten. Darüber hinaus stellen wir unseren Kunden für alle unsere Produkte Leitfäden zur sicheren Anwendung, Lagerung und Entsorgung zur Verfügung.

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 Online-Ergänzung: 3-10-BCS-2

Auch im Jahr 2014 lag der Fokus unserer Schulungsaktivitäten auf den Regionen Asien und Lateinamerika. Ein Beispiel sind unsere Aktivitäten in Indien, bei denen mehr als 32.000 Landwirte von CropScience in guter landwirtschaftlicher Praxis geschult wurden. Sie erfahren, wie sie das Wachstum ihrer Früchte steigern, Pflanzenschutzmittel effektiv und sicher einsetzen und dadurch die Qualität der erwirtschafteten Güter steigern können. Darüber hinaus werden ihnen neue Vermarktungsmöglichkeiten aufgezeigt, die gerade Kleinbauern helfen, höhere Gewinne mit ihren Produkten zu erzielen.

Die Förderung der landwirtschaftlichen Entwicklung wirkt häufig effektiver in der Bekämpfung von Hunger und Armut als andere Formen von Unterstützung. Durch das gesteigerte Einkommen können Landwirte ihren Lebensstandard verbessern und mehr Investitionen in die Ausbildung ihrer Kinder und den eigenen Betrieb tätigen. Der gesellschaftliche Mehrwert entsteht durch die vermehrte Produktion von qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln. Mithilfe dieser Maßnahmen tragen wir zur nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft bei.

In Lateinamerika haben wir unsere gesamten Aktivitäten zu Produktsicherheitsmaßnahmen unter unserem Agro-Vida-Programm zusammengefasst. Es umfasst verschiedene Initiativen, mit denen wir das Sicherheitsbewusstsein und die fachliche Expertise der Landwirte seit den 1990er-Jahren kontinuierlich erhöhen. Hierzu tragen zum Beispiel auch Sicherheitsschulungen für Landwirte bei. Im Jahr 2014 wurden z. B. in der Andenregion knapp 25.000 Landwirte und in der Region Zentralamerika und Karibik (ohne Mexiko) ca. 24.000 Landwirte geschult. Auch in zahlreichen Ländern Afrikas wurden 2014 Sicherheitsschulungen durchgeführt.

Im Rahmen des Gewässerschutzes bieten wir den Kunden ein biologisches Reinigungssystem (PhytobacTM) an. Es soll bei der Entsorgung von Restflüssigkeiten, die bei der Befüllung und Reinigung von Spritzgeräten anfallen, den punktuellen Eintrag von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen verhindern. In Europa gibt es bereits ca. 3.000 PhytobacTM-Anlagen. 2014 ist das System in China eingeführt worden.

Ferner stellen wir das Onlinetool „DressCode“ zur Verfügung, mit dessen Hilfe die optimale Schutzkleidung bei der Handhabung unserer Pflanzenschutzprodukte, z. B. beim Mischen, bei der Ausbringung von Produkten und der Reinigung von Spritzgeräten, bestimmt werden kann.

Zu unseren Produktverantwortungsmaßnahmen gehören auch interne Mitarbeiterschulungen. Über sämtliche Prinzipien des verantwortlichen Umgangs mit unseren Produkten, verbunden mit konkreten Handlungsanleitungen für unsere Mitarbeiter und Produktanwender, informiert auch unsere o. g. „Product Stewardship Policy“.

Bienengesundheit und Pflanzenschutz

Pflanzenschutzprodukte sind zum Schutz und zur Gesunderhaltung von Pflanzen notwendig, um Ernten zu sichern und damit die Ernährungsversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung auch in den kommenden Jahren zu gewährleisten. Gleichzeitig müssen die Bestäuber von Pflanzen geschützt werden, die ihren Beitrag zur Vielfalt von Lebensmitteln leisten. Die Debatte über den Einsatz einiger neonikotinoidhaltiger Pflanzenschutzmittel und die subjektive Einschätzung ihrer Auswirkung auf die Bienengesundheit hat sich auf politischer Ebene ausgewirkt. Das Ergebnis war, dass die eu-Kommission den Einsatz einiger Produkte dieser Wirkstoffklasse für bestimmte Anwendungen in Europa suspendiert hat. Die Entscheidung der eu-Kommission ist nach Auffassung von Bayer wissenschaftlich nicht begründet und rechtlich fehlerhaft. Die betreffenden Wirkstoffe wurden bereits im Rahmen von Zulassungsverfahren umfassend auf ihre Bienensicherheit geprüft. Bayer hat gegen die Entscheidung der Kommission Klage eingereicht, um Rechtssicherheit für Zulassungsverfahren sicherzustellen. Eine Entscheidung liegt noch nicht vor. Bayer engagiert sich weiterhin im Rahmen seines Bee-Care-Programms für die Bienengesundheit und den verantwortlichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Das Unternehmen fördert mit Investitionen die Forschung, um Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die Honigbiene zu minimieren.

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 Online-Ergänzung: 3-10-BCS-3

Mit unserem weltweiten „Bee Care“-Programm wollen wir ein besseres Verständnis für die vielen Faktoren, die sich auf die Bienengesundheit auswirken können, fördern. Zu diesem Programm gehörte die Errichtung des ersten „Bayer Bee Care Center“ am Standort von CropScience und der HealthCare-Division Animal Health in Monheim, Deutschland. Im Monheimer Zentrum führt CropScience das umfassende Wissen und die Expertise von Bayer zur Bienengesundheit zusammen. Es fungiert auch als Plattform für den Dialog mit Stakeholdern, die weltweit unser Interesse an der Förderung der Bienengesundheit teilen. 2014 wurde ein zweites „Bayer Bee Care Center“ eröffnet, das sich speziell mit den Themen der Bienengesundheit in Nordamerika beschäftigt. Dieses Center hat seinen Sitz in der us-Zentrale von CropScience im Research Triangle Park, Raleigh, usa, und bringt wichtige technologische, wissenschaftliche und akademische Ressourcen zusammen.

Unter Wissenschaftlern, die im Bereich der Bienengesundheit arbeiten, herrscht ein breiter Konsens, dass die schwierig zu behandelnde Varroa-Milbe die Hauptgefahr für die Bienengesundheit darstellt, u. a. da dieser Parasit eine Vielzahl von Viruserkrankungen auf Bienen übertragen kann. Unsere HealthCare-Division Animal Health entwickelt mit zahlreichen Bienenwissenschaftlern in Europa und den usa einen innovativen Ansatz zur Bekämpfung der Varroa-Milbe, das Varroa-Gate. Dies soll nach dem Prinzip einer Schleuse die Infektion von Bienenstöcken mit dem Parasiten verhindern. Zu weiteren wichtigen Faktoren, die Einfluss auf die Bienengesundheit haben, zählt allerdings auch eine in manchen Regionen allgemein intensiver betriebene Landwirtschaft und damit ein Mangel an geeigneten Nahrungsquellen für Bienen und Wildbienen sowie Brutplätzen. Auch hier engagiert sich Bayer und fördert das Anlegen von Blühflächen und untersucht biodiversitätsfördernde Maßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen, die Bestäubern nützen sollen.

Darüber hinaus sind für uns Maßnahmen zur Produktverantwortung wichtig, die wir für den Einsatz unserer Pflanzenschutzprodukte vorsehen, um deren bienensichere Anwendung zu optimieren. Zu diesen Initiativen gehören: eine Fördertechnologie für us-Sämaschinen, die die Reibung verringert und dadurch den gleichmäßigen Saatfluss fördert; die zusätzliche Kennzeichnung von Saatsäcken; zwei in Europa entwickelte Technologien zur Abluftreinigung während des Säens sowie noch anspruchsvollere Qualitätskontrollstandards für die Saatbeizung.

Außerdem haben wir ein groß angelegtes Bienen-Monitoring-Programm initiiert, das in fünf europäischen Staaten (Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Ungarn und Polen) umgesetzt wird. Die Untersuchungen werden an Winterraps durchgeführt, einer Kultur, die für Bienen sehr attraktiv ist und bis zum Inkrafttreten der Restriktionen in der eu mit Neonikotinoid-Saatbeizen behandelt wurde. Die Monitoringaktivitäten können trotz der Restriktionen vorgenommen werden, da Bayer Ausnahmegenehmigungen für die genannten Versuche erhalten hat. Das Monitoring beinhaltet eine wissenschaftliche Studie, die unter Leitung eines unabhängigen Forschungsinstituts an verschiedenen Standorten in den o. g. Ländern durchgeführt wird und mit der Aussaat des Winterrapses im Sommer 2014 angelaufen ist. Des Weiteren wurde zur Veranschaulichung der Aktivitäten, die auf zwei bis drei Jahre angesetzt sind, ein Netzwerk landwirtschaftlicher Demonstrationsbetriebe in denselben Staaten etabliert.

Bayer ist davon überzeugt, dass Neonikotinoide sicher für Bienen sind, wenn sie verantwortungsvoll und sachgerecht eingesetzt werden. Unsere Auffassung wird gestützt durch die Auswertung von Monitoring-Studien, die zusätzlich zu den im umfangreichen Zulassungsverfahren generierten Studien von unabhängigen Instituten unternommen wurden. Die vorliegenden Ergebnisse sowie der langjährige sichere Einsatz dieser Mittel in der landwirtschaftlichen Praxis bestätigen die Resultate des „Risk Assessment“ der Fachbehörden in zahlreichen Ländern weltweit für Neonikotinoid-Saatbeizen. Diese besagen, dass die Produkte unschädlich für Bienenvölker sind, soweit sie entsprechend den Produktinformationen eingesetzt werden. Ungeachtet der zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen, die die Sicherheit von Neonikotinoiden bestätigen, wird die oben beschriebene, zusätzliche Monitoring-Studie durchgeführt.

MaterialScience

Die Produkte von MaterialScience erfüllen höchste Sicherheitsanforderungen. Dies betrifft nicht nur die Stoffe, die aufgrund der europäischen reach-Verordnung standardmäßig überprüft werden müssen. Wir bewerten darüber hinaus im Rahmen der freiwilligen „Global Product Strategy“ (gps) der chemischen Industrie von uns eingesetzte Stoffe und reduzieren etwaige Gesundheits- und Umweltrisiken, die durch unsere Chemikalien entstehen könnten. Die Bewertungen der Produktsicherheit („Product Safety Assess­ments“) beziehen sich auf den gesamten Lebenszyklus eines Produkts – von Forschung und Einkauf über Produktion und Logistik bis zu Anwendung, Entsorgung und Verwertung. Unsere Produktverantwortung endet nicht im Unternehmen, sondern bindet auch Lieferanten, Kunden und Partner mit ein. gps ist bei MaterialScience über das Internetportal „Product Safety First“ zugänglich und weltweit in sieben Sprachen verfügbar. Auf der Website informieren wir Kunden und andere Interessengruppen über unsere Maßnahmen und Produktsicherheitsbeurteilungen.

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Eine Produktsicherheitsbeurteilung bei MaterialScience erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst werden Chemikalien, die einer gesetzlichen Regulierung unterliegen, identifiziert und die dazugehörigen entsprechenden Regulierungen erfasst. Danach prüfen wir diese auf ihr Risikopotenzial, um eine Grundlage für eine effektive Risikominimierung zu haben. Dies können beispielsweise Empfehlungen für technische Maßnahmen wie Schutzausrüstungen sein oder auch Vermarktungsbeschränkungen. Schließlich erstellen wir zu den Chemikalien die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsdatenblätter, Merkblätter und Kennzeichnungen.

Für besonders wichtige Produkte wie z. B. mdi, tdi, Polycarbonat und Polyether erstellt MaterialScience zusätzlich in Kooperation mit Verbänden auf Basis von Industriedurchschnittswerten Umweltproduktdeklarationen und Ökobilanzen nach iso 14040 und 14044.

In Bezug auf Stoffe, die in direktem Kontakt mit Lebensmitteln stehen, verfolgt MaterialScience die wissenschaftliche Diskussion um die Chemikalie Bisphenol a (bpa), einen Ausgangsstoff für diverse Kunststoffe. Kritiker befürchten gesundheitliche Risiken für die Anwender, wenn Spuren von bpa aus den Polymeren freigesetzt werden. Im Einklang mit zahlreichen wissenschaftlich validen Studien sind wir der Überzeugung, dass bpa in den bestehenden Anwendungsgebieten sicher eingesetzt werden kann. Diese Einschätzung deckt sich mit den Bewertungen der für die Lebensmittelsicherheit verantwortlichen Behörden u. a. in Europa, den usa, Australien und Japan. In Zusammenarbeit mit dem Verband PlasticsEurope engagieren wir uns für eine Versachlichung der Diskussion auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen.

Letzte Änderung: 26. Februar 2015  Copyright © Bayer AG
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