• Nahrung für die Menschheit

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    In der Bayer-Weizenzuchtstation in Milly-la-Forêt, südlich von Paris: Die Bayer-Forscherinnen Céline Zimmerli (l.) und Dr. Catherine Baillon überprüfen das Wachstum junger Weizenpflanzen.

Bayer CropScience verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Das Unternehmen will innovative Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft finden. Rund eine Milliarde Euro fließt daher jährlich in die Agrarforschung und -entwicklung, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

Zuchtstation Milly-la-Forêt in Frankreich: Weizenforscherin Dr. Catherine Baillon überprüft das Wohlergehen ihrer Schützlinge – Hunderte kleiner Setzlinge, die sie aus winzigen, kaum einen Millimeter großen Pflanzenembryos gezogen hat. „Jeder von ihnen könnte ein Volltreffer sein und das Potenzial besitzen, die Zukunft der Landwirtschaft mitzuprägen“, erklärt Baillon. Um dieses ganz besondere Korn zu finden, arbeitet das Forscherteam in Milly-la-Forêt mit ertragreichen Elitesorten, die an die klimatischen Bedingungen in Frankreich optimal angepasst sind. Diese Spitzensorten gilt es weiter zu verbessern: Dazu suchen die Wissenschaftler von Bayer CropScience auf der ganzen Welt nach exotischen Weizentypen mit besonderen Genen. Durch Kreuzen und Selektieren züchten sie so neue Sorten mit zusätzlicher Resistenz gegen Hitze, Dürre, Kälte, Nässe, Krankheiten und Schädlinge.

Weizen deckt heute rund 20 Prozent des Kalorienbedarfs der Menschheit.

„Normalerweise dauert so ein Prozess acht bis zehn Jahre“, sagt Wissenschaftlerin Baillon. „Um den Weg zu beschleunigen, setzen wir in Milly-la-Forêt neueste Methoden ein: zum Beispiel molekulare Marker, die uns schon im frühen Wachstumsstadium zeigen, ob ein Setzling das gewünschte Gen besitzt; oder eine neue Technologie, mit deren Hilfe wir das exotische Gen in nur einem Schritt stabil in der Pflanze verankern können – ohne zeitaufwendige Kreuzungsprozesse über mehrere Generationen.“ So entwickeln die Forscher von Bayer CropScience Weizensorten, die auch unter zunehmend schwierigen Klimabedingungen Spitzenerträge liefern.

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Die Bayer-Forscherinnen Dr. Catherine Baillon (l.) und Ombeline Gouhier begutachten in der Weizenzuchtstation in Milly-la-Forêt junge Setzlinge, bevor sie eingepflanzt werden.

Das ist wichtig, denn Weizen wird für die Ernährung von mehr als neun Milliarden Menschen, die bis 2050 voraussichtlich auf der Erde leben, eine große Rolle spielen. „Weizen deckt heute rund 20 Prozent des Kalorienbedarfs der Menschheit: von New York bis São Paulo, von Paris bis Johannesburg“, sagt Liam Condon, Vorstandsvorsitzender von Bayer CropScience. Selbst in traditionellen Reisländern wie China und Indien sei das Getreide ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Aktuell zeigen aber die langfristigen Trends eine zunehmende Kluft zwischen Bedarf und Produktivität: „Durch weltweit zunehmende Stressfaktoren für die Pflanzen, zum Beispiel Hitze, werden die Erträge in den nächsten Jahrzehnten unter dem heutigen Niveau von drei Tonnen pro Hektar liegen, während der von der Welternährungsorganisation FAO geschätzte Bedarf bis 2050 auf 5,5 Tonnen pro Hektar steigt“, so Condon.

2050 werden circa

9 Milliarden

Menschen auf der Erde leben.

Um diese Kluft zu schließen, betreibt Bayer CropScience Weizenzuchtstationen in Frankreich und in den bedeutenden Weizenanbauregionen Australiens, Deutschlands, Kanadas, der Ukraine und den USA. „Unser Ziel ist es, ein weltweit führendes Weizensaatgutgeschäft mit ertragreichen und robusten Sorten aufzubauen“, sagt Steve Patterson, Cereals Crop Manager bei Bayer CropScience. „Unsere strategisch platzierten Zuchtstationen sorgen dafür, dass diese hocheffizienten Weizentypen jeweils an die lokalen Wachstums- und Umweltbedingungen angepasst sind und nicht zuletzt auch die regionalen und globalen Bedürfnisse der Müller und Bäcker erfüllen.“ Das erste Weizensaatgut von Bayer soll ab 2015 in Osteuropa vermarktet werden.

Untersuchung einer Weizenpflanze im Bayer-Labor

Als ein Marktführer im weltweiten Getreidegeschäft bietet das Unternehmen bereits seit Jahrzehnten Know-how und integrierte Anbaulösungen, die auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Das Pflanzenschutzportfolio für Weizen umfasst Herbizide, Saatgutbehandlung, Insektizide und Fungizide. Außerdem schützen die Produkte des Unternehmens den Weizen direkt nach der Ernte und während der Lagerung in den Getreidesilos vor Verlusten durch Krankheiten oder Schädlinge.

Neue Krankheiten erfordern neue Wege

Oft tauchen in der Landwirtschaft auch neue Herausforderungen auf, für die es noch keine Lösungen gibt – zum Beispiel das Citrus Greening: eine bakterielle Krankheit, bei der Zitrusfrüchte grün bleiben und nicht ausreifen. „Wenn ein älterer Orangenhain befallen ist, werden die Bäume geschwächt und verlieren ihre Produktivität. Jüngere Bäume erreichen niemals ihr volles Potenzial und können nach einigen wenigen Jahren absterben“, sagt Dr. Dennis Warkentin, Spezialist für technischen Service bei Bayer CropScience in Florida. Citrus Greening oder Huanglongbing (HLB, „Gelber Drache“) kommt ursprünglich aus China und hat inzwischen die beiden wichtigsten Erzeugerregionen von Saftorangen erreicht: Brasilien und Florida. In Florida sind bereits 80 Prozent der Zitrusbäume infiziert, und es gibt bislang kein Mittel, um die Krankheit zu behandeln. „Hier geht es um das Schicksal der Orangensaftindustrie“, sagt Zitruserzeuger David Evans, dessen Großvater den Familienbetrieb vor über hundert Jahren gründete. Evans und seine Kollegen vom Branchenverband „Florida Citrus Mutual“ sind fest entschlossen, für die Zukunft des Orangenstaates Florida zu kämpfen: „Wir haben schon viele Krisen überstanden und werden auch jetzt nicht aufgeben. Denn wir glauben daran, dass Unternehmen wie Bayer mit ihrem globalen Forschungsengagement Lösungen für uns finden werden.“

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Der Zitrusfarmer David Evans (l.) begutachtet gemeinsam mit Dr. Dennis Warkentin von Bayer CropScience die Schäden an einer Plantage in Florida, USA.

Die Forscher bei Bayer CropScience arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung von Produkten gegen den „Gelben Drachen“. Bis es so weit ist, gehen die Experten andere Wege. So lässt sich beispielsweise der Überträger der Krankheit bekämpfen: stecknadelkopfkleine Insekten namens Psylliden. In Zusammenarbeit mit Erzeugerverbänden, Universitäten und der Getränkeindustrie entwickelt Bayer derzeit eine Kombination aus biologischen und chemischen Lösungen gegen den Schädling. „Ein erstes systemisches Insektizid, das die Psylliden bekämpft, aber die Nützlinge im Zitrushain schont, wollen wir Anfang 2015 in den USA auf den Markt bringen. In einem zweiten Schritt sollen dann auch biologische Lösungen hinzukommen“, so Kai Wirtz, bei Bayer CropScience verantwortlich für die globale Strategie in Obstkulturen.

Citrus Greening oder Huanglongbing („Gelber Drache“) kommt ursprünglich aus China und hat inzwischen die beiden wichtigsten Erzeugerländer von Saftorangen erreicht: Brasilien und Florida. Wenn ein Zitrushain befallen ist, sinkt die Erntequalität und in drei bis fünf Jahren sind die Bäume tot.

Gleichzeitig entwickelt Bayer CropScience ein Bündel an Sofortmaßnahmen für betroffene Zitruserzeuger wie David Evans. Dazu gehören die Stärkung der Pflanzengesundheit in den Plantagen, das Psylliden-Monitoring sowie phytosanitäre Maßnahmen, um deren Ausbreitung zu erschweren. Die Produzenten in Florida sind jedenfalls fest entschlossen, dem Drachen die Stirn zu bieten, und pflanzen mit mutiger Zuversicht neue Zitrushaine. „In der Vergangenheit haben wir in Florida jährlich Orangen-Ernten in Höhe von 240 Millionen Kisten eingefahren. Heute sind es nur noch 105 Millionen. Aber mit der Hilfe von Unternehmen wie Bayer wollen wir die Zitrusindustrie in Florida wieder zu ihrer alten Kraft und Größe bringen“, sagt Evans.

Digitale Technologien in der Landwirtschaft

Doch das Engagement für die künftige Gestaltung der Landwirtschaft geht für Bayer CropScience über die Entwicklung von innovativem Saatgut und den Pflanzenschutz hinaus. Gemeinsam mit Kooperationspartnern setzt sich das Unternehmen für den Einsatz neuer digitaler Technologien ein, etwa bei der hochauflösenden Fernerkundung. Vom Weltraum aus lässt sich zum Beispiel das Wachstum von Ackerkulturen mit hoher Präzision verfolgen. Infrarotbilder zeigen an, welche Bezirke im Feld unter Stressfaktoren leiden – und zwar noch bevor das menschliche Auge äußere Schäden an der Pflanze entdecken kann. „Die Technik wurde 2014 im Mittleren Westen der USA eingesetzt, um neue Sojasorten zu vergleichen“, erläutert Tobias Menne, der die Entwicklung des neuen Bereichs bei Bayer CropScience vorantreibt. „Die Landwirte wussten zu jedem Zeitpunkt, in welchen Teilen des Feldes Handlungsbedarf bestand – ohne persönliche Betrachtung vor Ort.“ Das eröffnet ganz neue Perspektiven. „Solche Technologien können nicht nur in Industrieländern einen optimalen Einsatz von Pflanzenschutz und Dünger ermöglichen, sondern hochspezialisiertes Expertenwissen auch in die ärmsten Länder der Welt bringen“, so Menne.

Das erste Weizensaatgut von Bayer soll ab

2015

vermarktet werden.

Mit Innovationen aus vielen unterschiedlichen Bereichen gestaltet Bayer CropScience die Zukunft der Landwirtschaft. Durch die Entwicklung von Lösungen für Großbetriebe ebenso wie für die Millionen von Kleinbauern auf der ganzen Welt unterstützt Bayer das Ziel, genug Nahrung für die Menschheit nachhaltig zu produzieren.

„Forschungsengagement für reiche Ernten“

Liam Condon, Vorsitzender des Executive Committee von Bayer CropScience, über die Zukunft des Pflanzenschutzes

Die Krankheit „Citrus Greening“ führt uns nur allzu deutlich vor Augen, wie dramatisch die Lage werden kann, wenn verheerende Krankheiten sich ungehindert ausbreiten. Forschende Unternehmen wie Bayer CropScience engagieren sich daher dafür, innovative Lösungen zu entwickeln, um die Ernten weltweit zu schützen. Gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft suchen wir nach neuen und zukunftsweisenden Technologien, die Mensch und Umwelt schonen und den Landwirten ermöglichen, sichere Lebensmittel zu produzieren. Dieses mit hohen Investitionen verbundene Forschungsengagement setzt voraus, dass wir uns auf die regulatorischen Rahmenbedingungen verlassen können.

Entscheidungen über Pflanzenschutz dürfen daher nicht politisiert werden. Um künftig die weltweiten Herausforderungen der Agrarwirtschaft zu bewältigen, benötigen wir Entscheidungsprozesse auf der Basis wissenschaftlicher Daten und Kosten-Nutzen-Analysen. Denn die Landwirte verlassen sich auf uns.


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Letzte Änderung: 26. Februar 2015  Copyright © Bayer AG
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