• Für ein besseres Leben

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    Sabine Hoffmann, technische Assistentin an der Uniklinik Köln, überprüft die Lungenfunktion von Patient Christian Müller.

Noch immer leiden weltweit Patienten an schweren Erkrankungen, für deren Therapie wirksame und gut verträgliche Medikamente rar sind. Forschende Pharmaunternehmen wie Bayer arbeiten daran, diesen Patienten wertvolle Innovationen zur Verfügung zu stellen. Beispiel: Lungenhochdruck. Bei dieser Erkrankung haben sich die Therapiemöglichkeiten in der jüngeren Vergangenheit deutlich verbessert.

Sport ist für Noémi Baert tabu. Schon eine Treppe mit 20 Stufen bringt sie an ihre Belastungsgrenze. Ein Spaziergang von wenigen Hundert Metern übersteigt ihre Kräfte. Selbst ihre Schultasche kann die 13-jährige Schülerin aus dem belgischen Ort Destelbergen nicht tragen. Noémi leidet seit ihrem siebten Lebensjahr an Lungenhochdruck – einer lebensbedrohlichen Erkrankung, die Menschen jeden Alters treffen kann.

Wir konzentrieren uns auf innovative Wirkstoffe, die einen echten Durchbruch für die Behandlung diverser Erkrankungen bedeuten, für die es einen hohen, ungedeckten medizinischen Bedarf gibt. Im Vordergrund stehen dabei immer die Patienten, die dringend neue Therapieoptionen benötigen.

Sie beginnt meist schleichend. Die Patienten ermüden schneller als gewohnt, Belastungen führen zu Kurzatmigkeit. Auch im weiteren Verlauf sind die Symptome unspezifisch – die Atemnot nimmt zu, die körperliche Belastbarkeit wird geringer, Brustschmerzen, Wassereinlagerungen in den Beinen, blau verfärbte Lippen und Ohnmachtsanfälle können hinzukommen. Die Symptome sind darauf zurückzuführen, dass die Lungengefäße aufgrund unterschiedlicher Ursachen verengt sind. Da auch andere häufiger vorkommende Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen einhergehen, vergehen häufig mehrere Jahre, bevor die richtige Diagnose gestellt wird: Pulmonale Hypertonie. Unter diesem Fachbegriff fassen Mediziner die verschiedenen Formen der Krankheit zusammen. Noémi hatte Glück im Unglück. Ein Kardiologe stellte rasch die richtige Diagnose. „Das verhalf meiner Tochter zur passenden Therapie“, sagt ihre Mutter Danielle Verbrugghen.

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Operation an der Uni-Klinik Köln: Der Kardiologe Prof. Dr. Stephan Rosenkranz und OP-Schwester Nina Küpper

Darauf musste Christian Müller aus Arnsberg viele Jahre warten. Sein Leidensweg begann 2004 mit einer schweren Lungenembolie als Folge einer Venenthrombose. Der damals 36-Jährige lag mehrere Monate im Krankenhaus, sein Zustand war kritisch. Auch in der anschließenden Rehabilitation kam er kaum richtig auf die Beine. „Ich war nicht in der Lage, das sportliche Aufbauprogramm umzusetzen“, erinnert sich der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann. Der Ursache kamen die Ärzte nicht auf die Spur. Um die Symptome zu lindern, verordneten sie Müller eine Sauerstofftherapie. In den folgenden drei Jahren war ein Sauerstoffgerät rund um die Uhr sein Begleiter. „Arbeiten konnte ich nicht mehr, ein selbstständiges Leben war nicht mehr möglich“, erzählt er. Seine Eltern halfen ihm bei alltäglichen Verrichtungen, letztlich war er auf den Rollstuhl angewiesen. Als Müller im Frühjahr 2007 zum wiederholten Mal mit Lungenblutungen ins Krankenhaus kam, äußerte ein Arzt erstmals den Verdacht, dass er an Lungenhochdruck leiden könnte. „Er schickte mich zur weiteren Abklärung ins Herzzentrum der Uni-Klinik Köln“, so Müller.

Die 13-jährige Noémi leidet an Lungenhochdruck. Mit ihrer Mutter Danielle Verbrugghen informierte sie sich bei Bayer-Forscher Prof. Dr. Johannes-Peter Stasch im Wuppertaler Labor über die Krankheit.

Dort arbeitet der Kardiologe Professor Dr. Stephan Rosenkranz, einer der wenigen Experten für Lungenhochdruck in Deutschland. Er leitet im Kölner Herzzentrum die Spezialambulanz für Pulmonale Hypertonie und weiß aus Erfahrung, dass noch immer viel Zeit vergeht, bis ein Patient mit Lungenhochdruck dem Facharzt vorgestellt wird. „Dabei ist eine frühe Diagnosestellung von großer Bedeutung für den Krankheitsverlauf. Denn in den letzten Jahren haben sich die Therapiemöglichkeiten erheblich erweitert“, erklärt der Spezialist. Vor der Therapie steht ein aufwendiges diagnostisches Programm. Dabei sind zur Sicherung der Diagnose eine Messung des Blutdrucks im Lungengefäßsystem sowie eine Untersuchung der rechten Herzkammer mithilfe eines Katheters eine entscheidende Hilfe. Weitere Untersuchungen klären, um welche Form des Lungenhochdrucks es sich handelt. Bei Christian Müller stellte sich heraus, dass seine Erkrankung Folge der 2004 erlittenen Lungenembolie war. Bei dieser Form des Lungenhochdrucks, der sogenannten chronisch thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH), sind winzige Blutgerinnsel in den kleinen Lungenarterien für die Druckerhöhung und damit für die Beschwerden verantwortlich. CTEPH kann als seltene Komplikation einer akuten Lungenembolie auftreten; die Entstehung der Krankheit ist jedoch noch nicht genau erforscht. „Diese Form kann in vielen Fällen durch eine spezielle Operation geheilt werden“, erklärt Rosenkranz. So war es auch bei Müller. Obwohl ihm die Folgen seiner Erkrankung weiterhin zu schaffen machen, kann er heute wieder ohne Sauerstoffgerät leben.

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Der Herz-Spezialist Prof. Dr. Stephan Rosenkranz und seine Kollegin Dr. Joana Jesus bei einer Morgenbesprechung

Eine solche Operation kommt für die 13-jährige Noémi nicht infrage – sie leidet an einer anderen Form des Lungenhochdrucks, der pulmonal arteriellen Hypertonie. Ihr helfen verschiedene Medikamente, die den Druck senken, indem sie die Lungengefäße erweitern und so auch das Herz entlasten. „Inzwischen gibt es mehrere derartige Wirkstoffe. Mittlerweile steht zudem der erste Vertreter einer weiteren Substanzklasse zur Verfügung. Mit diesem Wirkstoff kann erstmals auch bei Patienten mit nicht operabler CTEPH oder weiter bestehender bzw. erneut auftretender CTEPH nach operativer Behandlung eine erhebliche Verbesserung erzielt werden“, berichtet Rosenkranz. Dennoch sei der Forschungsbedarf weiterhin hoch. „Wir sind noch nicht am Ziel“, betont der Mediziner. Die Universitäten und die forschende Pharmaindustrie hätten noch einiges zu tun. „Wir müssen zum einen die existierenden Behandlungsmöglichkeiten weiter verbessern. Zum anderen müssen wir neue Angriffspunkte für Wirkstoffe identifizieren und dann neue Medikamente entwickeln, die einem übermäßigen Zellwachstum entgegenwirken. Denn dieses Zellwachstum ist mitverantwortlich für die Verengung der Lungengefäße.“

Eine frühzeitige Diagnose und eindeutige Bestimmung des individuellen Krankheitstyps sind essenziell, um sicherzugehen, dass der Patient frühzeitig die optimale Therapie erhält. Eine Verzögerung des Behandlungsbeginns kann die Lebenserwartung erheblich verkürzen.

Die Entwicklung von Medikamenten, die eine Gefäßerweiterung bewirken oder das Gewebewachstum und die Veränderung der Gefäßinnenwände von Arterien beeinflussen können, ist ein Forschungsschwerpunkt von Bayer HealthCare. Bei Entwicklung und Vermarktung kooperiert das Unternehmen nach einer im vergangenen Jahr geschlossenen Vereinbarung auch mit dem amerikanischen Pharmakonzern Merck & Co., Inc., außerhalb der USA und Kanada bekannt unter dem Namen MSD.

Weitere bedeutende Therapieansätze der Bayer-Wissenschaftler sind Wirkstoffe zur spezifischen Behandlung diverser Krebsleiden, schwerer Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie Schlaganfall oder Herzinsuffizienz sowie bestimmte Nierenfunktionsstörungen. Zudem zählt die Entwicklung von neuartigen Medikamenten zur Therapie von gynäkologischen Erkrankungen zu den Arbeitsbereichen der Bayer-Forscher. „Dabei konzentrieren wir uns auf innovative Wirkstoffe, die einen echten Durchbruch für die Behandlung diverser Erkrankungen bedeuten, für die es einen hohen, ungedeckten medizinischen Bedarf gibt. Im Vordergrund stehen dabei immer die Patienten, die dringend neue Therapieoptionen benötigen. Die erfolgreichen Neueinführungen zahlreicher Produkte in den vergangenen Jahren sind das Resultat dieser langfristigen Fokussierung auf Innovation“, sagt Dr. Jörg Möller, Leiter der Globalen Entwicklung bei Bayer HealthCare.

Mittlerweile sind Prävention und Wohlbefinden beinahe genauso wichtig wie die Behandlung von Krankheiten.

Derzeit arbeiten die Bayer-Wissenschaftler an der nahtlosen Fortsetzung des Innovationsflusses: In diesem Jahr ist für fünf weitere Entwicklungskandidaten die Entscheidung angestrebt, ob die Phase III der klinischen Entwicklung beginnen kann. Die Wirkstoffe sollen die Therapieoptionen für verschiedene schwere Erkrankungen erweitern, und zwar für eine bestimmte Krebsform des Lymphsystems, die Blutarmut als Folge spezieller Nierenleiden, verschiedene Formen der Herzinsuffizienz sowie gutartige Wucherungen der Gebärmutter (Myome). Gleichzeitig laufen Forschungsprojekte in früheren Stadien. „So verfolgen wir in der Kardiologie unter anderem neue Ansätze zur ursächlichen Behandlung verschiedener Gefäßkrankheiten, beispielsweise Lungenhochdruck“, berichtet der Bayer-Wissenschaftler Prof. Dr. Johannes-Peter Stasch. Damit erfüllen er und seine Kollegen ein Herzensanliegen von Noémi und ihrer Mutter Danielle Verbrugghen: „Wir wünschen uns so sehr, dass die Forscher nicht nachlassen, Therapien zu suchen, die helfen, Noémis Krankheit zu stabilisieren.“

„Wachstum durch Diversifizierung und Forschung fördern“

Dr. Olivier Brandicourt, Vorsitzender des Executive Committee von Bayer HealthCare, zur Strategie des Teilkonzerns

Die Übernahme des OTC-(over the counter)Geschäfts von Merck & Co., Inc., stellt einen wichtigen Meilenstein für Bayer HealthCare dar. Diese Akquisition stärkt nicht nur unser Consumer-Care-Geschäft; sie reflektiert gleichzeitig unsere Diversifizierungsstrategie. Ob es um die Gesundheit von Mensch oder Tier geht, um innovative Medikamente oder um verschreibungsfreie Produkte – durch unsere breit aufgestellten Geschäftsbereiche und unser Portfolio sind wir in der Lage, schnell auf die sich ständig wandelnden Anforderungen unseres Marktumfeldes zu reagieren, wie beispielsweise die zunehmend verschwimmenden Grenzen zwischen „Patient“ und „Verbraucher“. Mittlerweile sind Prävention und Wohlbefinden beinahe genauso wichtig wie die Behandlung von Krankheiten. Die vorhandene Expertise innerhalb unserer vier Divisionen und darüber hinaus ermöglicht es uns, den Bedürfnissen unserer Kunden optimal zu begegnen.

Ein Kernelement unserer langfristigen Strategie in allen unseren Geschäftsbereichen ist Forschung und Entwicklung (F&E), um Innovationen auch über das Jahr 2020 hinaus zu fördern: Einige unserer jüngst eingeführten Produkte werden zwischen 2023 und 2025 ihren Patentschutz verlieren. Die nächste Innovationswelle ist daher essenziell für künftiges Wachstum. Unsere F&E-Aktivitäten konzentrieren sich dabei auf die Bereiche, in denen wir schon heute hervorragende Ergebnisse und eine Vielzahl von Erfolgen vorweisen können, wie zum Beispiel in der Kardiologie, der Frauengesundheit und einigen Gebieten der Onkologie.

Durch die gezielte Nutzung der jeweiligen Stärken unserer diversifizierten Geschäftsbereiche und zukünftige Investitionen werden wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten noch stärker ausbauen können, um auch weiterhin innovative, auf unsere Kunden zugeschnittene Produkte auf den Markt zu bringen.


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Letzte Änderung: 26. Februar 2015  Copyright © Bayer AG
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