Lagebericht & Ergänzungen | Grundlagen des Konzerns

5. Forschung, Entwicklung, Innovation

Innovation und das Know-how unserer Mitarbeiter sind die Grundlage unseres Unternehmenserfolgs. Um die Innovation voranzutreiben, entwickeln wir kontinuierlich neue Moleküle, Technologien und Geschäftsmodelle in unseren Forschungszentren, investieren in Forschungs- und Entwicklungsprojekte, fördern die Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter und erweitern unsere Aktivitäten durch Akquisitionen und Kooperationen mit externen Partnern. Mit der gestärkten Innovationskraft begegnen wir den Herausforderungen unserer Zeit und sichern ein profitables Wachstum für unser Unternehmen.

Im Geschäftsjahr 2014 steigerten wir unsere Investitionen in Forschung und Entwicklung um wb. 5,3 % auf 3.574 Mio . Bereinigt um die Sondereinflüsse in Höhe von 2 Mio € (Vorjahr: 212 Mio €) entsprach dies einem Anstieg von wb. 12,2 %. Die um Sondereinflüsse bereinigte f&e-Kostenquote lag bei 8,5 % vom Umsatz. Weltweit arbeiten rund 14.000 Mitarbeiter in den Forschungs- und Entwicklungsbereichen.

Angaben zu Forschung und Entwicklung 2014[Tabelle 3.5.1]
  F&E-Kosten

Um

Sondereinflüsse

bereinigte

F&E-Kosten

Anteil an

Konzern-F&E

Um

Sondereinflüsse

bereinigte

F&E-Kosten-
quote

  2013 2014 2013 2014 2013 2014 2013 2014
  in Mio € in Mio € in Mio € in Mio € in % in % in % in %
HealthCare 2.229 2.301 2.039 2.297 65,4 64,4 10,8 11,5
Pharma 1.771 1.878 1.653 1.876 52,0 52,6 14,8 15,6
Consumer Health 458 423 386 421 13,4 11,8 5,0 5,3
CropScience 861 974 858 974 25,3 27,3 9,7 10,3
MaterialScience 231 210 211 213 6,8 5,9 1,9 1,8
Überleitung 85 89 86 88 2,5 2,5 7,3 7,9
Konzern 3.406 3.574 3.194 3.572 . . 8,0 8,5

Vorjahreswerte angepasst
1 Zur Definition siehe Kapitel 16.2 „Ermittlung des EBIT(DA) vor Sondereinflüssen“.

Neben den Investitionen in Forschung und Entwicklung fördern wir bei Bayer eine Innovationskultur, die auf einer offenen Einstellung zu neuen Ansätzen und interner fachübergreifender Zusammenarbeit basiert. Unsere Kompetenz stärken wir durch Förderung eines nationalen und internationalen Netzwerks an exzellenten Wissenschaftlern und erweitern dieses durch einen Austausch mit externen Partnern.

eingeschränkt geprüft

Online-Ergänzung: 3-5-1

Für unsere führenden Experten in Forschung und Entwicklung bieten wir über die Initiative „Expert Career" gezielte Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung. Der „Expert Club" unter Leitung unseres Innovationsvorstands mit rund 120 Mitgliedern fördert zudem den teilkonzernübergreifenden Austausch der Wissenschaftsexperten.

Weiterhin stellen wir sicher, dass die besonderen Leistungen und Beiträge einzelner oder mehrerer Mitarbeiter sichtbar werden und Anerkennung finden. Dazu vergeben wir u. a. Forschungspreise wie beispielsweise die Otto-Bayer-Medaillen, die alle zwei Jahre für herausragende Entwicklungen an Wissenschaftler-Teams vergeben werden.

Wissenschaftler unseres Unternehmens sind im ständigen Austausch mit renommierten Forschungseinrichtungen, unterstützen Partnerschaftsprojekte im öffentlichen und privaten Sektor (z. B. im Reisanbau mit dem International Rice Research Institute), üben weltweit Lehraufträge an Hochschulen aus (z. B. in Deutschland und China) und laden Wissenschaftler, Studenten und Schüler regelmäßig zu verschiedenen Veranstaltungen ein wie etwa Symposien zu gesundheitlichen Themen oder Forschertagen für Schüler. Wir verstehen dieses Engagement auch als Investition in unsere Nachwuchsförderung, denn als forschungsorientiertes Unternehmen sind wir auf sehr gut ausgebildete Talente und auf Technikakzeptanz in der Gesellschaft dringend angewiesen.

Unsere globale interne Plattform WeSolve fördert die gemeinsame Problemlösung der Mitarbeiter aller Teilkonzerne und Servicegesellschaften. Aktuelle Fragestellungen aus Forschung und Entwicklung, Marketing oder Produktion werden über die WeSolve-Plattform bekanntgegeben, gemeinsam diskutiert und die besten Lösungsansätze identifiziert. Über das betriebliche Vorschlagswesen des Bayer-Konzerns, den „Bayer-Ideen-Pool“, werden vor allem Vorschläge zur Verbesserung von Prozessen und Verfahren eingereicht. Mit zahlreichen wertvollen Vorschlägen haben sich die Mitarbeiter auch 2014 wieder für das Unternehmen eingesetzt. Insgesamt wurden rund 4.850 Ideen in den „Bayer-Ideen-Pool“ eingebracht. Die 2014 abgeschlossenen Verbesserungsvorschläge wurden zu 49 % umgesetzt. Die berechneten Vorschläge allein haben im ersten Jahr der Umsetzung eine Einsparung von über 5,1 Mio € ergeben. Für die verwirklichten Vorschläge wurden im Berichtsjahr Prämien in Höhe von mehr als 1 Mio  an unsere Mitarbeiter ausgezahlt.

Die Kooperationen und Allianzen mit führenden Hochschulen, öffentlichen Forschungseinrichtungen und Partnerfirmen werden durch Inkubatoren, Crowdsourcing und Innovationszentren („Science Hubs“) in Asien und den usa ergänzt, um den Zugang zu externem Innovationspotenzial im Sinne von Open Innovation zu erschließen. Einige unserer Kooperationen werden durch öffentliche Fördermittel unterstützt.

eingeschränkt geprüft

Online-Ergänzung: 3-5-2

Allein in Deutschland beteiligte sich Bayer 2014 an mehr als 80 öffentlich geförderten Projekten und erhielt dafür im vergangenen Jahr etwa 8 Mio € an Zuschüssen. Dies entspricht etwa 0,3 % unserer jährlichen f&e-Aufwendungen.

Der weltweit zuverlässige Schutz seines geistigen Eigentums ist für ein Innovationsunternehmen wie Bayer unabdingbar. Der Bayer-Konzern strebt in den bedeutenden Märkten Patentschutz für seine Produkte und Technologien an. Der Schutz, den ein Patent bietet, ist von Land zu Land unterschiedlich und hängt von Art und Umfang des erteilten Patentanspruchs sowie von den jeweils bestehenden Möglichkeiten zur Geltendmachung unserer Rechte ab. Ende 2014 besaßen wir weltweit rund 8.300 geschützte Erfindungen mit den dazugehörigen global etwa 68.200 in Kraft befindlichen Patentanmeldungen und Patenten.

eingeschränkt geprüft

Online-Ergänzung: 3-5-3

Patentlaufzeiten unterscheiden sich in Abhängigkeit von den Gesetzen des Landes, das das Patent erteilt hat. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, die usa, Japan und einige weitere Länder verlängern die Patentlaufzeit oder gewähren ergänzende Schutzzertifikate zur Kompensation eines Verlusts von Patentlaufzeit aufgrund der arzneimittelrechtlichen Zulassungsverfahren und der hohen Investitionen in Produktforschung und -entwicklung. Wir streben eine derartige Verlängerung überall dort an, wo dies möglich ist.

Im Allgemeinen beträgt die Laufzeit eines Patents 20 Jahre. Da beispielsweise die Entwicklung eines neuen Medikaments im Durchschnitt zwölf Jahre dauert, bleiben in der Regel nach der Zulassung nur acht Jahre Patentschutz. Ohne Patentschutz wäre es in den meisten Fällen nicht möglich, die erheblichen Kosten zu decken, die bei der Forschung und Entwicklung innovativer Arzneimittel bzw. Indikationen und Anwendungsformen entstehen. Wir setzen uns deshalb weltweit sowohl für den Schutz des internationalen Patentsystems als auch den Schutz unseres geistigen Eigentums ein. Mehr dazu lesen Sie in unseren politischen Grundsätzen auf unserer Internetseite.

Stärkung der Life-Sciences-Forschung

Bayer ist als einziges globales Unternehmen gleichzeitig in der Forschung zur Verbesserung der Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze aktiv. Durch die systematische und intensive Zusammenarbeit von Forschern über die Grenzen der Life-Science-Teilkonzerne hinweg werden damit neue Impulse gesetzt. Dabei forschen Wissenschaftler von HealthCare und CropScience gemeinsam in Projekten, die an zentralen biologischen Prozessen ansetzen, wie beispielsweise der Genregulation oder dem Energiestoffwechsel. Auf diesem Weg sollen Krankheiten besser verstanden, Wirkmechanismen entschlüsselt, Therapien personalisiert oder Resistenzmechanismen erklärt werden. Weiterhin wird die gemeinsame Nutzung von Technologieplattformen ausgebaut. Diese Projekte werden seit 2012 durch den Bayer-internen „Life Sciences Fund“ unterstützt und meist in Kooperation mit externen Partnern durchgeführt.

HealthCare

Im Jahr 2014 erhöhten sich die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (f&e) von HealthCare um wb. 3,6 % auf 2.301 Mio €. Bereinigt um Sondereinflüsse in Höhe von 4 Mio € (Vorjahr: 190 Mio €) entsprach dies einem Anstieg von wb. 13,0 %. Für HealthCare lag die um Sondereinflüsse bereinigte f&e-Kostenquote bei 11,5 % vom Umsatz. In Forschung und Entwicklung von HealthCare waren zum Abschlussstichtag rund 8.100 Mitarbeiter beschäftigt.

Pharma

Forschungsgebiete und -standorte

Bei der Wirkstofffindung im Segment Pharma konzentrieren wir uns auf die Gebiete Kardiologie, Onkologie, Ophthalmologie, Hämatologie und Gynäkologie. Wir betreiben Forschungsaktivitäten an sechs Zentren. In Berlin und Wuppertal (Deutschland) fokussieren wir uns darauf, neue Wirkstoffe zu finden, zu optimieren und zu entwickeln. Außerdem werden hier Untersuchungen zum Arzneimittelstoffwechsel, zur Pharmakokinetik, Toxikologie und klinischen Pharmakologie durchgeführt. Unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten an den Standorten Mission Bay/San Francisco und Berkeley (usa) konzentrieren sich hingegen auf die Hämatologie. In Turku (Finnland) werden polymer-basierte Freisetzungssysteme für die Fertilitätskontrolle entwickelt. Am Standort Oslo (Norwegen) erforschen wir Thorium-Konjugate für die Anwendung bei Krebserkrankungen. Darüber hinaus betreiben wir Innovationszentren in Peking (China), Singapur und Osaka (Japan), über die primär unsere Forschungspartnerschaften in Asien koordiniert werden.

Forschungsaktivitäten im Berichtsjahr

Zur Entwicklung neuer Wirkstoffe für Erkrankungen mit hohem medizinischem Bedarf haben wir im Verlauf des Jahres 2014 mit mehreren Arzneimittelkandidaten aus unserer Forschungs- und Entwicklungspipeline klinische Studien durchgeführt. Im Fokus unserer klinischen Entwicklung stehen dabei fünf Wirkstoffkandidaten, die derzeit in Phase ii geprüft werden. Es handelt sich um Finerenone, Vericiguat und Molidustat aus dem Bereich der Kardiologie bzw. des kardio-renalen Syndroms, Copanlisib aus der Onkologie und Vilaprisan aus dem Bereich der gynäkologischen Erkrankungen. Unsere bereits zugelassenen Produkte wie den Gerinnungshemmer XareltoTM (Rivaroxaban), die Krebsmedikamente StivargaTM (Regorafenib) und XofigoTM (Radium-223-Dichlorid), das Augenmedikament EyleaTM (Aflibercept) sowie AdempasTM (Riociguat) zur Behandlung des Lungenhochdrucks stärken wir durch Lebenszyklus-Management-Aktivitäten, um deren Anwendung weiter zu verbessern bzw. das Indikationsspek­trum zu erweitern.

Ein Teil unserer Entwicklungskandidaten wird zur Behandlung von schweren und zugleich sehr seltenen Krankheiten untersucht, den sogenannten Orphan Diseases. Beispielsweise wurde Ciprofloxacin dpi (Dry Powder for Inhalation) zur Behandlung von Bronchiektasen, die nicht aufgrund einer Mukoviszidose entstanden sind (ncfb), von den Behörden als Orphan Drug eingestuft.

Klinische Studien machen einen wesentlichen Teil des Entwicklungsprozesses für Medikamente aus. Sie sind ein unentbehrliches Instrument zur Bestimmung der Sicherheit und Wirksamkeit neuer Entwicklungspräparate, bevor sie zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden können. Nutzen und potenzielle Risiken neuer Arzneimittel müssen stets wissenschaftlich belegt und gut dokumentiert werden. Alle Studien bei Bayer entsprechen strengen internationalen Richtlinien und Qualitätsstandards sowie den gültigen nationalen Gesetzen und Normen.

eingeschränkt geprüft

Online-Ergänzung 3-5-BHC-1

Die internen Prozesse für die Planung und Durchführung klinischer Studien setzt Bayer in einem weltweit einheitlichen Verfahren um. Bayer legt hohe Maßstäbe an die Konzeption klinischer Forschungsversuche und gewährt ein hohes Maß an Transparenz.

Im Einklang mit diesen Zielsetzungen enthält die „Trial Finder”-Datenbank von HealthCare öffentlich zugängliche Informationen zu klinischen Studien, die von Bayer gesponsert werden. Diese werden für Patienten, Mitarbeiter des Gesundheitswesens und die breite Öffentlichkeit bereitgestellt, um die Transparenz über unsere klinische Forschung zu erhöhen.

Im Mai 2014 schloss sich Bayer dem Portal www.clinicalstudydatarequest.com an und gewährt seitdem für von Bayer gesponserte klinische Studien Forschern auf Antrag Zugang zu anonymisierten Daten auf Patientenebene. Auf diese Weise helfen wir, die medizinische Wissenschaft voranzubringen und die Patientenversorgung zu verbessern.

Weitere Informationen zu unseren global einheitlichen Standards, der Überwachung von Studien und der Rolle des Ethikkomitees finden Sie im Internet.

Für einige Arzneimittelkandidaten haben wir nach Abschluss der erforderlichen Studien Anträge auf Zulassung bzw. auf Erweiterung der bestehenden Zulassung bei einer oder mehreren Behörden gestellt.

Die wichtigsten noch im Zulassungsprozess befindlichen Arzneimittelkandidaten sind:

Einreichungen1 [Tabelle 3.5.2]
  Indikation
Aflibercept EU, Japan, Behandlung des Makula-Ödems infolge eines retinalen Venenastverschlusses
Bay 81-8973 EU, USA, Behandlung der Hämophilie A
Riociguat Japan, Behandlung der pulmonal-arteriellen Hypertonie
Rivaroxaban2 USA, Sekundärprophylaxe des akuten Koronarsyndroms
Rivaroxaban Japan, Behandlung tiefer Venenthrombosen und Lungenembolien, Prävention wiederkehrender venöser Thromboembolien

1 Stand: 3. Februar 2015
2 eingereicht von Janssen Research & Development, LLC

In der nachfolgenden Tabelle sind unsere wichtigsten Arzneimittelkandidaten der klinischen Prüfungsphasen ii und iii dargestellt:

Forschungs- und Entwicklungsprojekte (Phase II und III)1 [Tabelle 3.5.3]
  Indikation Status
Amikacin Inhale Behandlung von Lungeninfektionen Phase III
Damoctocog alfa pegol (BAY 94-9027, long-acting rFVIII) Behandlung von Hämophilie A Phase III
Ciprofloxacin DPI Behandlung von Lungeninfektionen Phase III
LCS-16 (ULD LNG Contraceptive System) Intrauterine Empfängnisverhütung, Wirkdauer bis zu 5 Jahre Phase III
ODM-201
(AR Antagonist)
Behandlung von Prostatakrebs Phase III
Radium-223-Dichlorid Kombinationsbehandlung von kastrationsresistentem Prostatakrebs Phase III
Regorafenib Behandlung von refraktärem Leberkrebs Phase III
Regorafenib Behandlung von Dickdarmkrebs nach operativer Entfernung von Lebermetastasen Phase III
Riociguat Pulmonale arterielle Hypertonie (PAH) bei Patienten, die nur unzureichend auf PDE-5i/ERA ansprachen Phase III
Rivaroxaban Prävention schwerer kardialer Ereignisse (MACE) Phase III
Rivaroxaban Anti-Koagulation in Patienten mit chronischem Herzversagen2 Phase III
Rivaroxaban Langzeitprävention venöser Thromboembolien Phase III
Rivaroxaban VTE-Prävention bei Hochrisikopatienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus2 Phase III
Rivaroxaban Embolische Schlaganfälle unklarer Ursache Phase III
Rivaroxaban Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) Phase III
Sorafenib Behandlung von Nierenkrebs, adjuvante Therapie Phase III
Tedizolid Behandlung komplizierter Haut- und Lungeninfektionen Phase III
BAY 1067197 (Partial Adenosine A1 Agonist) Herzinsuffizienz Phase II
Copanlisib (PI3k Inhibitor) Behandlung von rezidivierendem/resistentem Non Hodgkin's Lymphom Phase II
Finerenone (MR-Antagonist) Chronische Herzinsuffizienz Phase II
Finerenone (MR-Antagonist) Diabetische Nephropathie Phase II
Molidustat
(HIF-PH Inhibitor)
Anämie Phase II
Radium-223-Dichlorid Behandlung von Knochenmetastasen bei Krebs Phase II
Refametinib (MEK-Inhibitor) Krebstherapie Phase II
Regorafenib Krebstherapie Phase II
Regorafenib (Ophthalmologie) Behandlung der feuchten altersbedingten Makula-Degeneration (AMD) Phase II
Riociguat Pulmonale Hypertonie (IIP) Phase II
Riociguat Raynaud-Phänomen Phase II
Riociguat Diffuse systemische Sklerose Phase II
Riociguat Zystische Fibrose Phase II
Rivaroxaban Sekundärprophylaxe akutes Koronarsyndrom (ACS)2 Phase II
Roniciclib (CDK Inhibitor) Behandlung von kleinzelligem Lungenkrebs (SCLC) Phase II
Sorafenib Krebstherapie Phase II
Vericiguat (BAY 1021189, sGC-Stimulator) Chronische Herzinsuffizienz Phase II
Vilaprisan (S-PRM) Behandlung von uterinen Fibromen Phase II

1 Stand: 3.Februar 2015
2 durchgeführt von Janssen Research & Development, LLC

Das Wesen der Arzneimittelforschung und -entwicklung bedingt, dass nicht alle Wirkstoffe das jeweils festgelegte Projektziel erreichen werden. Es besteht die Möglichkeit, dass einige oder alle der hier aufgeführten Projekte aufgrund wissenschaftlicher und/oder wirtschaftlicher Erwägungen abgebrochen werden und somit nicht zu einem marktfähigen Produkt führen. Zudem ist es möglich, dass die für diese Wirkstoffe erforderliche Zulassung als Arzneimittel durch die Food and Drug Administration (FDA), die European Medicines Agency (EMA) oder eine andere Zulassungsbehörde nicht erteilt wird.

Wir überprüfen unsere Forschungs- und Entwicklungspipeline regelmäßig, um die aussichtsreichsten Pharma-Projekte mit Priorität voranzutreiben.

Kardiologie

XareltoTM (Wirkstoff: Rivaroxaban) ist unter den neuen oralen Gerinnungshemmern das Medikament mit den meisten zugelassenen Indikationen im Bereich der venösen und arteriellen Thromboembolien. Über alle Indikationen hinweg ist XareltoTM in mehr als 125 Ländern weltweit zugelassen – wobei der Zulassungsstatus von Land zu Land variieren kann.

Im Rahmen des us-Zulassungsverfahrens zur Präventation atherothrombotischer Ereignisse nach akutem Koronarsyndrom (acs) hat die FDA im Februar 2014 mit „Complete Response Letters“ Stellung genommen. Eine neue Phase-ii-Studie soll nun Rivaroxaban in Kombination mit einem einzelnen Plättchenaggregationshemmer zur Langzeitprävention bei Patienten mit acs untersuchen. In den USA wird XareltoTM durch Janssen Pharmaceuticals, Inc., einer Tochtergesellschaft von Johnson & Johnson, vermarktet.

Im Mai 2014 beantragten wir bei dem japanischen Gesundheitsministerium Ministry of Health, Labor and Welfare (mhlw) die Zulassung von Rivaroxaban für die Behandlung tiefer Venenthrombosen und Lungenembolien sowie zur Prävention wiederkehrender venöser Thromboembolien.

Über die bereits zugelassenen Indikationen hinaus wird die Anwendung von Rivaroxaban auch bei anderen kardiovaskulären Erkrankungen untersucht. Laufende klinische Phase-iii-Studien sind beispielsweise compass und commander-hf. In der compass-Studie soll untersucht werden, welches Potenzial Rivaroxaban in der Prävention schwerwiegender kardialer Ereignisse besitzt. Ziel der Studie commander-hf ist die Beurteilung des potenziellen Zusatznutzens in der Prävention von schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen von Rivaroxaban in Kombination mit der Standardtherapie bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und signifikanter koronarer Herzkrankheit.

Im Jahr 2014 wurde das Studienprogramm für Rivaroxaban um neue Studien erweitert: Die einstein-choice-Studie untersucht zwei verschiedene Dosierungen von Rivaroxaban zur langfristigen Prävention wiederkehrender venöser Blutgerinnsel nach Akutbehandlung wegen tiefer Venenthrombosen oder Lungenembolien. Die mariner-Studie untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von Rivaroxaban zur Verminderung des Risikos symptomatischer venöser Thromboembolien (vte) nach der stationären Behandlung bei Patienten, die wegen akuter internistischer Erkrankungen im Krankenhaus waren. Die esus navigate-Studie untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von Rivaroxaban bei Patienten nach embolischem Schlaganfall unklarer Ursache. Eine weitere Phase-iii-Studie (voyager pad) zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Rivaroxaban bei Patienten mit arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) nach einem erfolgten Eingriff ist in Vorbereitung.

Rivaroxaban wurde von HealthCare erfunden und wird gemeinsam mit Janssen Research & Development, llc, einer Tochtergesellschaft von Johnson & Johnson, entwickelt.

AdempasTM (Wirkstoff: Riociguat) ist ein Modulator der löslichen Guanylat-Zyklase (sGC), der erste Vertreter einer neuartigen Medikamentenklasse von gefäßerweiternden Substanzen. Der als Tablette einzunehmende Wirkstoff wird derzeit als neuer und spezifischer Behandlungsansatz bei verschiedenen Formen des Lungenhochdrucks untersucht.

AdempasTM ist seit 2013 in den usa zur Behandlung inoperabler chronisch-thromboembolischer pulmonaler Hypertonie (cteph) und pulmonal-arterieller Hypertonie (pah) zugelassen. Im März 2014 wurde AdempasTM auch von der Europäischen Kommission in beiden Indikationen zugelassen. In Japan erfolgte die Zulassung für cteph im Januar 2014, die Zulassung für pah beantragten wir im April 2014.

Im Jahr 2014 wurde das Studienprogramm für Riociguat um neue Studien erweitert: Eine im März 2014 gestartete Phase-iiib-Pilotstudie untersucht die Wirkung von Riociguat bei Patienten mit pah, die nur unzureichend auf eine Therapie mit Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (pde-5i) in Mono- oder Kombinationstherapie mit einem Endothelin-Rezeptor-Antagonisten (era) ansprachen. Im Juni 2014 begannen wir mit der Phase-iib-Studie rise-iip. Diese untersucht die Sicherheit und Wirksamkeit von Riociguat bei Patienten mit symptomatischer pulmonaler Hypertonie als Begleiterkrankung der idiopathischen interstitiellen Pneumonie (iip). Außerhalb der Indikation pulmonale Hypertonie wird Riociguat außerdem in Phase ii zur Behandlung von Patienten mit diffuser systemischer Sklerose untersucht.

Ein weiterer Vertreter der Klasse der sGC-Modulatoren ist Vericiguat, das sich derzeit in Phase iib der klinischen Prüfung zur Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz befindet.

Seit Oktober 2014 arbeiten wir bei der Entwicklung und Vermarktung der sGC-Modulatoren mit Merck & Co., Inc., zusammen.

Finerenone ist ein oraler nicht-steroidaler Mineralcorticoid-Rezeptorantagonist der nächsten Generation, der sich derzeit in Phase iib der klinischen Entwicklung zur Behandlung der sich verschlechternden chronischen Herzinsuffizienz sowie der diabetischen Nephropathie befindet.

Beim kardio-renalen Syndrom wird Molidustat zur Behandlung von Patienten mit Anämie und begleitender chronischer Nierenerkrankung und/oder terminalem Nierenversagen untersucht.

Onkologie

StivargaTM (Wirkstoff: Regorafenib) ist ein oral wirksamer Multi-Kinase-Inhibitor. Er hemmt verschiedene Signalwege, die für das Tumorwachstum verantwortlich sind.

StivargaTM ist in den usa, Europa, Japan und mehreren anderen Ländern zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Darmkrebs (mcrc) zugelassen. Im Jahr 2013 hat StivargaTM zudem in den usa, Japan und weiteren Ländern die Zulassung zur Behandlung von gastrointestinalen Stromatumoren (gist) erhalten. Im Juli 2014 erteilte die Europäische Kommission die Zulassung in der Indikation gist.

Im Februar 2014 starteten wir eine Phase-iii-Studie, in der die Wirkung von Regorafenib als adjuvante Behandlungsoption für Patienten mit Darmkrebs nach der kurativen Resektion von Lebermetastasen und nach Abschluss aller vorgesehenen Chemotherapien untersucht wird.

StivargaTM ist ein von Bayer entwickeltes Präparat. 2011 vereinbarten Bayer und Onyx Pharmaceuticals, Inc., eine Tochtergesellschaft von Amgen Inc., usa, dass Onyx Lizenzgebühren auf weltweite Umsätze mit StivargaTM im Bereich der Krebsbehandlung erhält.

XofigoTM (Wirkstoff: Radium-223-Dichlorid) ist in der eu und den usa zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs (crpc) mit symptomatischen Knochenmetastasen ohne bekannte viszerale Metastasen zugelassen.

Im April 2014 startete eine neue Phase-iii-Studie. Sie untersucht Radium-223-Dichlorid in Kombination mit Abirateron-acetat und Prednison/Prednisolon zur Behandlung von nicht vorbehandelten Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs, deren Metastasen hauptsächlich die Knochen betreffen und die bisher keine oder nur leichte Symptome aufweisen.

Unser Krebsmedikament NexavarTM (Wirkstoff: Sorafenib) entwickeln und vermarkten wir zusammen mit Onyx Pharmaceuticals, Inc., usa, weiter. Der Wirkstoff Sorafenib, der sowohl an den Krebszellen als auch am Gefäßsystem des Tumors ansetzt, ist bereits in über 100 Ländern zur Behandlung von Leberkrebs und fortgeschrittenem Nierenkrebs zugelassen. Im Mai 2014 wurde NexavarTM von der Europäischen Kommission zur Behandlung von Patienten mit progressivem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, differenziertem Schilddrüsenkarzinom, welches gegenüber radioaktivem Jod refraktär ist, zugelassen. Im Juni 2014 erteilte das japanische mhlw die Zulassung zur Behandlung von Patienten mit inoperablem differenziertem Schilddrüsenkarzinom.

Zwei klinische Phase-iii-Studien mit Sorafenib verfehlten im März bzw. Juli 2014 ihren jeweiligen primären Endpunkt. Untersucht wurde Sorafenib als adjuvante Therapie bei Leberzellkarzinom sowie als Kombinationstherapie bei Brustkrebs.

Copanlisib ist ein neuartiger, intravenös zu verabreichender Hemmer der Phosphatidylinositol-3-Kinase (pi3k), der sich derzeit in Phase ii der klinischen Prüfung zur Behandlung von Non-Hodgkin-Lymphomen befindet.

Ophthalmologie

EyleaTM (Wirkstoff: Aflibercept)ist unser gemeinsames Entwicklungsprojekt mit Regeneron Pharmaceuticals, Inc., usa. Aflibercept blockiert den natürlichen Wachstumsfaktor vegf (Vascular Endothelial Growth Factor), wodurch die abnorme Bildung neuer Blutgefäße, die zu Blutungen neigen, verhindert wird. Das Präparat wird lokal ins Auge appliziert. In den usa hält Regeneron Pharmaceuticals Inc., usa, die alleinigen Rechte. Außerhalb der usa wird das Präparat von Bayer vermarktet.

EyleaTM ist in über 80 Ländern zur Behandlung der feuchten altersbedingten Makula-Degeneration (amd) zugelassen. Seit 2013 ist EyleaTM zudem in Europa, Japan, den usa und weiteren Ländern zur Behandlung eines Sehschärfenverlustes aufgrund eines Makula-Ödems nach Zentralvenenverschluss der Netzhaut (crvo) zugelassen. Im August 2014 erteilte die Europäische Kommission die Zulassung für EyleaTM zur Behandlung von Patienten mit diabetischem Makula-Ödem (dme). Im November 2014 erfolgte die Zulassung in dieser Indikation durch das japanische mhlw. Für eine weitere Indikation, die Behandlung von Patienten mit Sehschärfenverlust bei Makula-Ödem infolge eines retinalen Venenastverschlusses (brvo), haben wir erste Zulassungsanträge gestellt: Im Juni bei der ema sowie im September 2014 beim mhlw. Im September 2014 erteilte das mhlw die Zulassung für EyleaTM zur Behandlung der myopiebedingten choroidalen Neovaskularisation (mcnv). In Japan ist eine pathologische Kurzsichtigkeit und die dadurch bedingte myope cnv die zweithäufigste Ursache für Erblindung.

Hämatologie

Im Mai 2014 erhielt der rekombinante Faktor viii Kogenate fs (Octocog alfa) die us-Zulassung für die Routineprophylaxe zur Verhinderung oder Verringerung der Häufigkeit von Blutungsepisoden bei Erwachsenen mit Hämophilie a.

Im Dezember 2014 beantragten wir bei der europäischen Arzneimittelbehörde ema sowie bei der us-Gesundheitsbehörde fda die Zulassung für bay 81-8973 zur Behandlung der Hämophilie A bei Erwachsenen und Kindern. bay 81-8973 ist ein weiterentwickelter rekombinanter Faktor viii (rfviii), der in klinischen Studien eine wirksame Prophylaxe sowohl bei zwei- als auch bei dreimaliger Gabe pro Woche in üblicher Dosierung zeigen konnte.

Eine Phase-iii-Studie mit Damoctocog alfa pegol (bay 94-9027), einem lang wirkenden rekombinanten Faktor viii, erreichte im Februar 2014 das primäre Ziel, mit weniger Infusionen einen effektiven Schutz vor Blutungen zu gewährleisten, die durch Hämophilie a verursacht werden.

Potenzial für neue langfristige Behandlungsoptionen von Hämophilie a sehen wir in der Gentherapie. Diese könnte die Behandlung der Krankheit von Grund auf verändern, indem sie das für die Krankheit verantwortliche defekte Gen durch eine gesunde Version ersetzt. Derzeit arbeiten wir zusammen mit unserem Partner Dimension Therapeutics an einer solchen Therapieoption.

Gynäkologie

Vilaprisan (sprm) ist ein neuartiger oral einzunehmender Progesteronrezeptor-Modulator, der derzeit in einer Phase-ii-Studie zur Behandlung von uterinen Fibromen untersucht wird.

Im Februar 2014 haben wir das Zulassungsverfahren in der Europäischen Union für ein neues, transparentes, niedrig dosiertes Verhütungspflaster (fc-Patch Low) erfolgreich abgeschlossen.

Consumer Health

Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Division Consumer Care konzentrieren sich in den Zentren für Produktentwicklung in Morristown und Memphis (beide usa) sowie Gaillard (Frankreich) darauf, rezeptfreie Medikamente, Dermatologieprodukte, Fußpflegeprodukte, Sonnenschutzmittel sowie Nahrungsergänzungsmittel bis zur Marktreife zu entwickeln. Unsere auf den Endverbraucher ausgerichteten Entwicklungsstrategien zielen darauf, unser Markenportfolio durch neue Produkte und Darreichungsformen zu erweitern und zu verbessern. Darüber hinaus arbeiten wir an der Neueinstufung von bislang verschreibungspflichtigen Medikamenten als rezeptfreie Produkte. Im Jahr 2014 konnte eine Reihe neuer Produktlinienerweiterungen in verschiedenen Märkten eingeführt werden. Dabei handelt es sich um neue Darreichungsformen und Anwendungsgebiete für bestehende Marken wie CanestenTM oder BepanthenTM/BepantholTM, CoppertoneTM und Dr. Scholl’sTM.

In der Division Medical Care forschen wir insbesondere auf den Gebieten der Blutzuckermessung sowie an der Weiterentwicklung von Kontrastmitteln und medizinischen Geräten. Diese werden bei der Diagnose und Therapie diverser Erkrankungen eingesetzt.

An unseren zwei wichtigsten us-Forschungs- und Entwicklungsstandorten der Geschäftseinheit Diabetes Care – Tarrytown und Mishawaka – konzentrieren wir uns darauf, unsere Produktlinien zu stärken. Zu den innovativen Produkten, die wir im Geschäftsjahr 2014 in wichtigen Ländern auf den Markt gebracht haben, gehört beispielsweise die ContourTM ts Plattform in Europa.

In unserem Kontrastmittel- und Medizingerätegeschäft (Geschäftseinheit Radiology) fokussieren wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf die kontinuierliche Verbesserung unserer Kontrastmittel und Kontrastmittel-Injektionssysteme. Damit wollen wir unsere Führungsposition weiter ausbauen. Unsere Forschungs- und Entwicklungszentren befinden sich in der Nähe von Pittsburgh (usa), in Toronto (Kanada), in Berlin (Deutschland) sowie in Sydney (Australien). Im Juni 2014 wurde GadavistTM (Gadobutrol) von der FDA als erstes Kontrastmittel in der Magnetresonanztomographie (mrt) für den Nachweis und die Einstufung von Brustkrebs zugelassen. Im Januar 2015 erhielt GadavistTM als erstes mrt-Kontrastmittel die fda-Zulassung für Kinder unter 2 Jahren. Darüber hinaus arbeiteten wir im Geschäftsjahr 2014 weiter daran, unser Angebot an Informatikprodukten auszubauen und zu verbessern. Neben neuer Software entwickelten wir it-Lösungen zur Optimierung des Kontrastmittel- und Strahlendosismanagements.

In unserer Division Animal Health fokussieren wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten insbesondere auf die Bereiche Anti-Parasitika, Antibiotika sowie auf Arzneimittel zur Behandlung nichtinfektiöser Krankheiten. Wir besitzen Forschungs- und Entwicklungszentren in Deutschland, den usa, Neuseeland und Brasilien. Unsere zentralen Forschungsaktivitäten werden in Monheim, Deutschland, im Rahmen unserer Life-Sciences-Plattform mit der Pharma-Forschung sowie in enger Kooperation mit der CropScience-Forschung durchgeführt. Zudem stärken wir unser Geschäft im Rahmen existierender Kooperationen durch die kontinuierliche Identifizierung weiterer Produktentwicklungskandidaten.

Open Innovation

Durch die strategische Zusammenarbeit mit Partnern schaffen wir den Zugang zu komplementären Technologien und zu externem Innovationspotenzial. Dabei arbeitet unser Segment Pharma innerhalb der einzelnen Entwicklungsstadien eines Medikaments mit verschiedenen Partnern zusammen. Nachfolgend sind einige Beispiele aufgeführt:

Kooperationspartner Pharma[Tabelle 3.5.4]
Partner Ziel der Kooperation
Amgen Research GmbH Zugang zu BiTETM-Antikörpern zur Entwicklung neuartiger Tumortherapien
Ardea Biosciences Inc. Co-Entwicklung von onkologischen Produkten auf der Basis von mek-(mitogen-activated erk kinase)Inhibitoren
BioInvent International ab Zugang zu Antikörper-Bibliothek mit Einlizenzierung von Antikörpern
Broad Institute Strategische Partnerschaft im Bereich der Onkologie zur Entdeckung und Entwicklung von Wirkstoffen, die gezielt bei tumorspezifischen Genverände- rungen ansetzen
Compugen Ltd. Kooperation zur Erforschung und Entwicklung neuer Ansätze im Bereich der Immuntherapie für die Onkologie
Cubist Pharmaceuticals, Inc. Co-Entwicklung von Tedizolid zur Behandlung verschiedener Infektionen
Deutsches Krebsforschungszentrum (dkfz) Strategische Partnerschaft für die Entwicklung neuer Therapieoptionen auf den Gebieten Onkologie und Immuntherapie
Dimension Therapeutics, Inc. Entwicklung einer neuartigen Gentherapie zur Behandlung der Hämophilie A
Dyax Corp. Zugang zu Antikörper-Bibliothek mit Option zur Einlizenzierung von Antikörpern für die Entwicklung und Vermarktung neuartiger Tumortherapien
Evotec AG Forschungskooperation zur Identifizierung und Validierung von Entwicklungs- kandidaten in der Endometriose
ImmunoGen Inc. Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) für neuartige Tumortherapien
Inception 4, Inc. Erforschung neuer Ansätze zur Behandlung von verschiedenen Augenkrankheiten
Janssen Research & Development, llc of Johnson & Johnson Entwicklung von XareltoTM (Rivaroxaban)
Ludwig Boltzmann Institute Erforschung von Erkrankungen der Lungengefäße, insb. Lungenhochdruck
Merck & Co., Inc. Entwicklungs- und Vermarktungskooperation auf dem Gebiet der Modulation von löslicher Guanylat-Zyklase (sGC)
Nektar Therapeutics Co-Entwicklung einer zielgerichteten inhalativen Antibiotikatherapie zur Behandlung von Infektionen der Lunge (Amikacin Inhale)
Novartis AG Entwicklung einer zielgerichteten inhalativen Antibiotikatherapie zur Behandlung von Infektionen der Lunge (Ciprofloxacin DPI)
OncoMed Pharmaceuticals Inc.1 Erforschung und Entwicklung neuartiger Therapeutika gegen Krebsstammzellen
Onyx Pharmaceuticals Inc. of Amgen Inc. Co-Entwicklung von NexavarTM (Sorafenib) für verschiedene Krebsindikationen
Orion Corporation Entwicklung von odm-201 zur Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs
Peking University Forschungskooperation und Gründung eines Forschungszentrums für gemeinsame Projekte
Prometheus Laboratories Inc. Entwicklung diagnostischer in-vitro-Assays für personalisierte Arzneimittel
Qiagen Manchester Ltd. Entwicklung diagnostischer Tests für die personalisierte Krebsbehandlung
Regeneron Pharmaceuticals Inc. Entwicklung von EyleaTM (Aflibercept) zur Behandlung von verschiedenenAugenkrankheiten, Entwicklung eines pdgfr-beta-Antikörpers für die Ophthalmologie
Seattle Genetics Inc. Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) für neuartige Tumortherapien
Tsinghua University Forschungskooperation und Gründung eines Forschungszentrums für gemeinsame Projekte
University of Oxford Strategische Forschungspartnerschaft bei der Entwicklung neuartiger Therapien in der Frauenheilkunde
1 Auf dem Gebiet der klassischen Stammzellforschung, die adulte oder embryonale Stammzellen untersucht, ist Bayer nicht aktiv.

Im Juni 2014 vereinbarten wir mit Orion Corporation, Espoo, Finnland, die globale Entwicklung und Vermarktung des Entwicklungskandidaten odm-201. Dieser neuartige als Tablette einzunehmende Hemmstoff des Androgenrezeptors befindet sich in der klinischen Entwicklung zur Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs. Im September 2014 startete eine gemeinsame klinische Phase-iii-Studie zur Prüfung der Wirksamkeit und Verträglichkeit von odm-201 bei Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom, bei denen der Krebs noch keine Metastasen gebildet hat.

Im Juni 2014 schlossen wir mit Dimension Therapeutics eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung einer neuartigen Gentherapie zur Behandlung von Hämophilie a.

Mit der University of Oxford vereinbarten wir im Juli 2014 eine strategische Forschungspartnerschaft zur Entwicklung neuartiger Therapien in der Frauenheilkunde. Die Zusammenarbeit wird sich auf innovative Behandlungsoptionen für Frauen mit Endometriose und Gebärmutter-Myomen konzentrieren.

Im Oktober 2014 startete unsere strategische Pharma-Kooperation mit Merck & Co., Inc., auf dem Gebiet der Modulation von löslicher Guanylat-Zyklase (sGC). Die Kooperation umfasst das von uns entwickelte, zur Behandlung bestimmter Formen des Lungenhochdrucks zugelassene Medikament AdempasTM (Riociguat) sowie dessen Entwicklung für weitere Indikationen. Ebenfalls eingeschlossen ist der Entwicklungskandidat Vericiguat.

Auf dem Gebiet der Onkologie haben wir in 2014 für die frühe klinische Entwicklung die Zusammenarbeit mit dem md Anderson Cancer Center, usa, gestartet.

Im April 2014 haben wir die Beteiligung am Hightech Gründerfonds ii als erster Fondsinvestor aus der Pharmabranche angekündigt. Mit dem Hightech Gründerfonds ii sollen vielversprechende junge Start-ups unter anderem aus dem Bereich Life Sciences in Deutschland unterstützt und finanziert werden. Darüber hinaus gaben wir im November 2014 bekannt, dass wir uns als strategischer Investor an dem neu gebildeten Fonds „Versant Venture Capital v“ beteiligen werden. Damit wollen wir die Entwicklung neuer Therapien in Gebieten mit hohem medizinischem Bedarf unterstützen.

Seit 2009 betreiben wir eine Internet-Plattform unter dem Namen „Grants4Targets“. Sie bietet den Forschern an Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen sowie Start-up-Unternehmen die Möglichkeit, biologische Zielmoleküle (Targets) für eine Zusammenarbeit mit Bayer vorzuschlagen. 2013 erweiterten wir diese Plattform um zwei weitere: „Grants4Leads“ für Vorschläge zu biologisch aktiven Molekülen als Leitstrukturen (Leads) sowie „Grants4Apps“ für Vorschläge zu it-Lösungen, die vielfältige Anwendungen im HealthCare-Bereich ermöglichen sollen. Im August 2014 startete zudem eine neue Initiative „Grants4Apps Accelerator-Programm“. Fünf Start-up-Unternehmen mit innovativen gesundheits- und therapierelevanten Lösungsansätzen erhalten im Rahmen des Accelerator-Programms ein Starthilfepaket.

Seit dem Jahr 2012 betreiben wir unter dem Namen „CoLaboratorTM“ in San Francisco/Mission Bay (usa) ein Zentrum mit Laborräumen für junge Firmen aus dem Bereich der Biowissenschaften. Bei diesem Inkubator-Konzept profitieren die Wissenschaftler neben der Laborinfrastruktur auch von der Expertise der Bayer-Forscher, die z. B. eine professionelle, zielgerichtete Planung von Entwicklungsprogrammen ermöglichen kann. Wir streben dabei gleichzeitig an, für die jungen Unternehmen als erster Ansprechpartner bei deren Suche nach möglichen Kooperationspartnern zu dienen. Im Mai 2014 eröffneten wir einen zweiten CoLaboratorTM am Standort Berlin.

CropScience

Im Jahr 2014 erhöhten sich die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (f&e) von CropScience um wb. 13,6 % auf 974 Mio €. Bereinigt um Sondereinflüsse in Höhe von 0 Mio  (Vorjahr: 3 Mio ) entsprach dies einem Anstieg von wb. 14,0 %. Für CropScience lag die um Sondereinflüsse bereinigte f&e-Kostenquote bei 10,3 % vom Umsatz.

CropScience verfügt über ein weltweites Netz von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, in denen rund 5.000 Mitarbeiter tätig sind. Unsere größten Standorte zur Erforschung und Entwicklung von chemischen und biologischen Pflanzenschutzmitteln sind Monheim und Frankfurt a. M. (Deutschland) sowie Lyon (Frankreich) und Sacramento (usa). In Gent (Belgien), Haelen (Niederlande), Lubbock (usa) sowie Morrisville/Raleigh (usa) befinden sich unsere bedeutendsten Forschungszentren im Bereich Seeds, die sich auf die Verbesserung von Saatgut mittels Saatguttechnologie und -züchtung konzentrieren. Während die Forschungstätigkeiten an einigen zentralen Standorten gebündelt sind, finden die Entwicklungsaktivitäten sowie die Saatgutzüchtung sowohl in zentralen Einrichtungen als auch in zahlreichen Feldversuchsstationen weltweit statt. Dies gewährleistet die Prüfung der zukünftigen Wirkstoffe und Sorten entsprechend den spezifischen regionalen und lokalen Erfordernissen.

Bei Crop Protection/Seeds arbeiten unsere Wissenschaftler aus den Bereichen Saatguttechnologie, Agrarchemie und Biologika im Rahmen eines integrierten Forschungsansatzes eng zusammen. Die Fachkompetenzen aus der chemischen und biologischen Forschung sowie der Feldentwicklung werden so optimal gebündelt und auf unsere langfristigen Forschungsziele und Geschäftsstrategien in den einzelnen Anbaukulturen ausgerichtet.

Im Bereich Crop Protection erforschen und entwickeln wir innovative und sichere Wirkstoffe für den Einsatz als Insektizide, Fungizide, Herbizide und Saatgutbehandlungsmittel in einer nachhaltigen Landwirtschaft. Hierbei stehen uns moderne Technologien aus den Bereichen der Chemie, Biologie und Biochemie, wie etwa Hochdurchsatz-Screening und Bioinformatik, für die Identifizierung neuer chemischer Leitstrukturen zur Verfügung.

Zusätzlich erweitern wir den Einsatzbereich unserer Wirkstoffe kontinuierlich durch neue Mischungen oder die Entwicklung innovativer Formulierungen, um deren Anwendbarkeit auf andere Kulturpflanzen oder in anderen Regionen zu ermöglichen oder die Handhabbarkeit der Produkte zu verbessern. Erfolgreiche Kooperationen mit externen Partnern ergänzen unsere eigenen Aktivitäten.

Im März 2014 schloss CropScience einen Vertrag zur Übernahme der Biagro-Gruppe, einem Hersteller und Vermarkter biologischer Saatgutbehandlungsmittel mit Sitz in Argentinien. Das Portfolio an etablierten Marken umfasst u. a. biologische Saatgutbehandlungsmittel, Mikroorganismen zur Stärkung des Pflanzenwachstums sowie andere Produkte für die integrierte Schädlingsbekämpfung auf Basis von Bakterien- und Pilzstämmen.

Ebenfalls im März 2014 kündigte CropScience an, seinen Forschungsstandort Wismar, Deutschland, deutlich auszubauen, um die weltweit steigende Nachfrage nach biologischen Pflanzenschutzlösungen befriedigen zu können. Die geplanten Investitionen umfassen den Bau einer neuen Anlage zur Herstellung biologischer Pflanzenschutzmittel und der erforderlichen Infrastruktur. Der schrittweise Ausbau der Produktionskapazitäten soll spätestens im Jahr 2016 abgeschlossen sein. Das geplante Investitionsvolumen beläuft sich auf insgesamt rund 18 Mio .

Im Mai 2014 erhielt das Reisherbizid CouncilTM Complete von CropScience seine weltweit erste Marktzulassung in Südkorea. Dort soll es im Jahr 2015 auf den Markt kommen. Weitere bedeutende Reisanbauländer in Asien sollen folgen. CouncilTM Complete basiert auf zwei innovativen Wirkstoffen, Triafamone und Tefuryltrione, die die integrierte Unkrautbekämpfung deutlich verbessern. Des Weiteren hat CropScience 2014 ein neues Nematizid auf Basis des Wirkstoffs Fluopyram auf den Markt gebracht. Es ist unter den Markennamen VelumTM und VerangoTM erhältlich. In Feldversuchen haben diese Produkte in zahlreichen Anbaukulturen wie Obst, Gemüse und Tabak für deutliche Ertrags- und Qualitätsverbesserungen gesorgt. Auch in den kommenden Jahren wollen wir mit der Vermarktung mehrerer neuer Produkte aus dem chemischen und biologischen Pflanzenschutz beginnen. So erwarten wir 2015 die Markteinführung eines weiteren Insektizids mit der Marke SivantoTM, einer neuen Insektizidklasse zur Kontrolle von saugenden Insekten.

Im September 2014 wurden die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich Gemüsesaatgut und biologische Pflanzenschutzmittel in den usa an einem neuen, integrierten Standort in West Sacramento, usa, gebündelt. Unser Ziel ist es, das Potenzial unserer globalen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten durch Zusammenlegungen und Erweiterungen noch besser auszuschöpfen.

Im Bereich Seeds forschen wir an der Optimierung von Pflanzeneigenschaften und entwickeln neue Sorten in unseren bisherigen Kernkulturen Baumwolle, Raps/Ölsaaten und Reis sowie im Gemüsesaatgut. Mittlerweile haben wir unsere Forschungsaktivitäten auch auf Weizen und Sojabohnen als für Bayer neue Kernkulturen ausgedehnt. Im Fokus unserer Arbeit steht die Verbesserung der agronomischen Eigenschaften dieser Kulturen. Unsere Forscher arbeiten an der Steigerung der Ertragskraft von Nutzpflanzen und der Erhöhung der Pflanzenqualität, z. B. durch veränderte Rapsölprofile oder optimierte Baumwoll-Faserqualitäten. Darüber hinaus entwickeln wir Pflanzen, die eine hohe Toleranz gegenüber externen Stressfaktoren wie Trockenheit aufweisen und Wasser effektiver nutzen können. Weitere Schwerpunkte bestehen darin, neue Herbizidtoleranzen auf der Basis alternativer Wirkmechanismen zu entwickeln sowie die Insektenresistenz und Krankheitstoleranz zu verbessern. Dabei werden moderne Züchtungsverfahren von der marker-gestützten Zucht bis hin zu Methoden der Pflanzenbiotechnologie genutzt.

Im Januar 2014 unterzeichnete CropScience zwei neue Verträge mit Cellectis Plant Sciences, usa. Die erweiterte Partnerschaft dient dazu, mithilfe neuer Züchtungsverfahren Pflanzeneigenschaften (Traits) speziell für Raps-Saatgut zu entwickeln. Zudem erhält Bayer durch die Zusammenarbeit Zugang zu Technologien, mit denen Pflanzengenome modifiziert und somit verbesserte Sorten entwickelt werden können.

Gemeinsam mit Kaiima Bio-Agritech Ltd.,Israel, wollen wir moderne Hybridreis-Sorten entwickeln. Ziel der im Mai 2014 angekündigten mehrjährigen Zusammenarbeit ist die Züchtung neuer ertragsstarker Hybridreis-Sorten.

Im Juni 2014 wurde die erste globale Sojamarke von CropScience – CredenzTM – in den usa eingeführt. Unter dieser Marke sollen Sojabauern innovative Sorten und Pflanzeneigenschaften angeboten werden. hbkTM Seed, die Marke der 2011 von CropScience akquirierten Hornbeck Seed Company (usa), wird ebenfalls unter CredenzTM vertrieben.

Ende September 2014 akquirierten wir das Saatgut-Geschäft des Unternehmens Granar s.a. mit Sitz in Encarnación, Paraguay. Das Unternehmen ist auf die Zucht, Erzeugung und Vermarktung von verbessertem Saatgut vor allem für Sojabohnen spezialisiert und ist in Paraguay und Uruguay breit vertreten. Die Präsenz in Brasilien wächst. Im Mittelpunkt steht der Erwerb der Marke IgraTM Semillas, welche bis Ende 2014 noch durch Granar vermarktet wurde. Für CropScience ist die Übernahme ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer internationalen Exzellenz-Plattform für Sojabohnen-Saatgut und sie unterstreicht den Stellenwert Lateinamerikas in diesem Geschäft.

In den usa ist unser Baumwollsaatgut FiberMaxTM mit unserer eigenen Glyphosat-Herbizidtoleranz-Technologie GlyTolTM seit einigen Jahren bereits erhältlich. Seit 2014 bieten wir dort eine neue Kombination von Insektenresistenz sowie Herbizidtoleranz für Baumwolle an. Diese enthält erstmalig sowohl die TwinLinkTM- als auch die GlyTolTM-Technologie, die den Landwirten eine integrierte Schädlings- und Unkrautkontrolle bieten.

In Kanada begann CropScience in der Anbausaison 2014 mit der Vermarktung einer neuen Raps-Saatgutsorte unter der Marke InVigorTM. Die Hybridsorte zeichnet sich durch eine neue Eigenschaft aus, die verhindert, dass sich die Schoten verfrüht öffnen. Damit ermöglicht sie einen höheren Ertrag.

Unter den Marken ArizeTM und InVigorTM ist in den kommenden Jahren die Vermarktung zahlreicher neuer Hybridreis- respektive Ölsaatensorten mit verbesserter Stress- und Insektenresistenz geplant.

Außerdem planen wir, 2015 das erste CropScience-Weizensaatgut auf den Markt zu bringen. Bereits im September 2014 kündigte CropScience an, zwischen 2010 und 2020 insgesamt 1,5 Mrd  in Forschung und Entwicklung von Weizensaatgut und -pflanzenschutz zu investieren.

Bei vielen Kulturpflanzen können mit konventionellen Züchtungsmethoden große Erfolge erzielt werden, etwa bei Gemüse. Da dieses zum größten Teil für die Frischvermarktung und den Frischverzehr vorgesehen ist, haben Handel und Verbraucher hier besonders hohe Anforderungen bezüglich Aussehen, Nährstoffgehalt, Geschmack und Haltbarkeit. Neue, diesen Anforderungen entsprechende Gemüsesaatgutsorten bringen wir kontinuierlich auf den Markt.

Unsere integrierte Produktpipeline für Pflanzenschutz und Saatguttechnologie enthält insgesamt 25 Einzelprojekte sowie eine Vielzahl neuer Saatgutsorten und weiterentwickelter Produkte, die zwischen 2011 und 2016 auf den Markt gebracht werden sollen. Insgesamt erwarten wir für diese Produkte ein Spitzenumsatzpotenzial von über 4 Mrd €. Im Bereich Crop Protection soll in diesem Zeitraum mit der Vermarktung von rund 10 Produkten begonnen werden. In unserem Saatgutgeschäft sollen im selben Zeitraum allein für die Flächenkulturen Baumwolle, Raps, Reis, Weizen und Sojabohnen rund 15 neue Projekte zur Marktreife gebracht werden. Bei Gemüse planen wir, in diesem Zeitraum mehrere Hundert neue Sorten auf den Markt zu bringen.

Bei Environmental Science werden auf chemischer und biologischer Basis Lösungen für Privatkunden und professionelle Anwender entwickelt. Dafür werden Substanzen aus dem Bereich Crop Protection sowie von externen Partnern für Anwendungen außerhalb der Landwirtschaft weiterentwickelt. Zu den aktuellen Entwicklungsprojekten gehören Gele und Köder gegen Schadinsekten, Herbizide, Fungizide und Mittel gegen krankheitsübertragende Insekten.

2014 baute Environmental Science sein Portfolio in allen Geschäftssegmenten weiter aus. Unsere Produktpalette zur Pflege von Golfplatzflächen haben wir durch die Einführung des neuen Fungizids MirageTM in den usa und des neuen Herbizids TributeTM in Korea gestärkt. Im Bereich der professionellen Schädlingsbekämpfung brachten wir in Europa neue Formulierungen des Insektizids MaxforceTM auf den Markt (MaxforceTM Fusion, MaxforceTM Prime). Das in den usa bereits sehr erfolgreich im industriellen Vegetationsmanagement eingesetzte Herbizid EsplanadeTM (Wirkstoff: Indaziflam) steht seit 2014 nun auch Kunden in Kanada zur Verfügung. Für Privatkunden führten wir in Europa eine Reihe von neuen Insektiziden ein. Darüber hinaus erweiterten wir in den usa das Portfolio der biologischen Lösungen der NatriaTM-Reihe.

Im Oktober 2014 kündigte CropScience an, einige Vermögenswerte des Landmanagement-Geschäfts von DuPont Crop Protection in den usa, Kanada, Mexiko, Australien und Neuseeland zu erwerben. Nach Erhalt der behördlichen Genehmigungen konnte die Transaktion Anfang Dezember 2014 abgeschlossen werden. Dank dieser Akquisition wird Environmental Science ein umfassendes Portfolio von Produkten anbieten können, die im industriellen Vegetationsmanagement zur wirksamen Unkrautbekämpfung eingesetzt werden. Überdies erhält das Unternehmen Zugang zu den wachsenden Geschäftssegmenten Forstwirtschaft und Weideflächen in Nordamerika. Außerhalb der usa, Kanada, Mexiko, Australien und Neuseeland wird DuPont seine Landmanagement-Produkte weiterhin selbst vertreiben.

Open Innovation

CropScience ist Teil eines weltweiten Netzwerks von Forschungs- und Industriepartnern aus den verschiedensten Bereichen der Agrarwirtschaft, chemischer und biologischer Forschung sowie der Lebensmittelindustrie. Diese industrieübergreifenden Partnerschaften ermöglichen uns, die Bedürfnisse unserer Kunden noch besser zu verstehen und diesen langfristig gerecht zu werden. So zum Beispiel im Rahmen der Partnerschaft zwischen CropScience und dem britischen Innovative Vector Control Consortium (ivcc). Gemeinsam mit ivcc entwickeln wir neue Substanzen gegen Moskitos, die Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber übertragen.

Seit über 50 Jahren spielt Bayer eine aktive Rolle im Kampf gegen Malaria, eine der bis heute gefährlichsten Tropenkrankheiten. Durch sein Portfolio kann CropScience eine einzigartige Palette an Lösungen anbieten. So ist der Teilkonzern über sein operatives Segment Environmental Science ein führender Hersteller von Innenraum-Sprühinsektiziden gegen die Malariamücke. In den vergangenen drei Jahren war vor allem die Marke FicamTM bei der Bekämpfung von Mücken, die gegen Insektizide der Klasse der Pyrethroide resistent sind, von entscheidender Bedeutung. 2014 konnte CropScience durch die Lieferung von FicamTM in Äthiopien erneut einen wichtigen Beitrag zum Schutz gegen Malaria leisten. Nachdem die who bereits in 2013 eine Empfehlung für unser neues, langfristiger wirksames und damit kosteneffizienteres, deltamethrinhaltiges Sprühinsektizid K-Othrine PolyZoneTM erteilte, wurden in 2014 in mehreren Ländern südlich der Sahara nationale Zulassungsanträge eingereicht.

Außerdem vereinbarten CropScience und die Targenomix GmbH, Potsdam, Deutschland, im April 2014 eine auf fünf Jahre angelegte Forschungskooperation. In diesem Rahmen sollen gemeinsam Verfahren der Systembiologie entwickelt und angewendet werden, um die Steuerung von Genen und Stoffwechselprozessen in Pflanzen besser zu verstehen. Ziel ist es dabei, anhand neuartiger Wirkstoffe und Pflanzenmerkmale innovative Lösungsansätze für den Pflanzenschutz und die Pflanzengesundheit zu entwickeln.

Die Zusammenarbeit mit der australischen Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (csiro) in der Weizenforschung wurde weitergeführt. Die bereits seit 2009 bestehende strategische Kooperation zwischen CropScience und csiro zielt auf die Ertragssteigerung von Weizen und damit auch die langfristige Stärkung der globalen Weizenproduktion ab.

Im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit den Akteuren der gesamten Lebensmittelkette sind besonders unsere „Food-Chain-Partnerschaften” hervorzuheben. Hier unterstützt CropScience alle Beteiligten, vom Landwirt über den Lebensmittelverarbeiter, den Im- und Exporteur bis zum Groß- und Einzelhändler. Seit nunmehr 10 Jahren arbeitet CropScience in Food-Chain-Partnerschaften und hilft so, Ernten unter anderem in Menge und Qualität zu steigern. In mehr als 30 Ländern und in 40 Kulturen hat CropScience Food-Chain-Partnerschaftsprojekte initiiert, vor allem in Asien, Lateinamerika und Europa. Unsere Experten beraten dabei Landwirte im nachhaltigen Anbau von der Auswahl des Saatguts über den kontrollierten und umweltschonenden Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bis zur transparenten Kontrolle der Erzeugung.

Des Weiteren haben wir zusammen mit dem Zertifizierer global g.a.p. den Grundstein für ein Training für Kleinbauern gelegt, welches diesen helfen soll, die Anforderungen „Guter Landwirtschaftlicher Praxis“ durch die Trainingsmaßnahmen von CropScience zu verstehen und erfüllen zu können. Das sogenannte „Baygap foundational training“ soll 2015 weltweit zum Einsatz kommen, und Kleinbauern ermöglichen, lokale Kunden gemäß ihren Anforderungen beliefern zu können.

Wesentliche Forschungspartnerschaften CropScience[Tabelle 3.5.5]
Partner Ziel der Kooperation
Celletics Plant Sciences Gezielte Modifikation bestimmter Pflanzengene und -genome zur Verbesserung der Pflanze
CSIRO Ertragssteigerung von Weizen und langfristige Stärkung der globalen Weizenproduktion
IVCC Gemeinsames Entwickeln von neuen Substanzen gegen Moskitos, die Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber übertragen
Kaiima Entwicklung moderner Hybridreis-Sorten
Targenomix Verfahren der Systembiologie entwickeln und anwenden, um die Steuerung von Genen und Stoffwechselprozesse in Pflanzen besser zu verstehen

MaterialScience

Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung bei MaterialScience verringerten sich 2014 um wb. 8,2 % auf 210 Mio . Bereinigt um Sondereinflüsse in Höhe von -3 Mio  (Vorjahr: 20 Mio €) entsprach dies einem Anstieg von wb. 0,9 %. Für MaterialScience lag die um Sondereinflüsse bereinigte f&e-Kostenquote bei 1,8 % vom Umsatz. Darüber hinaus wurden weitere 79 Mio  (Vorjahr: 97 Mio ) für gemeinsame Entwicklungsprojekte mit Kunden aufgewendet.

Mit Aufgaben im Bereich Forschung und Entwicklung waren 2014 weltweit rund 900 Mitarbeiter betraut. Ein Teil von ihnen arbeitet in großen Innovationszentren in Leverkusen (Deutschland), Pittsburgh (usa) und Shanghai (China). Die starke internationale Präsenz zielt auch darauf, unsere Forschung und Entwicklung auf regionale Markttrends und Kundenwünsche, speziell in Wachstumsmärkten, auszurichten.

In der Business Unit Polyurethanes (pur) arbeiten wir unter anderem an Produkten und Materiallösungen, um die Nutzung der umweltverträglichen Windenergie voranzubringen. Zu den jüngsten Entwicklungen zählen Polyurethan-Infusionsharze für Rotorblätter von Windkraftanlagen. Sie dienen dazu, im Inneren eines Windflügels Faserschichten mit einem stabilen Kern zu verbinden. Da das Harz sich besser verteilt und schneller aushärtet als konventionelles Infusionsmaterial, lässt sich die Produktionszeit deutlich verkürzen, was zu Kosteneinsparungen führt. Außerdem sind aus dem Material problemlos auch sehr lange Rotorblätter herstellbar, die größere Mengen an Strom erzeugen können.

Auf dem Gebiet der Prozessentwicklung treiben wir die Nutzung von Kohlendioxid als neuer Kohlenstoffquelle für Polyurethane voran, um die Abhängigkeit von petrochemischen Rohstoffen zu verringern. So begannen wir 2014 damit, ein entsprechendes bisheriges Forschungsprojekt („Dream Production“) in die kommerzielle Nutzung zu überführen. Ziel ist es, ab 2016 eine neuartige Form der Polyurethan-Komponente Polyol mit einem Co2-Anteil von rund 20 % auf den Markt zu bringen. Außerdem gelang es auf Laborebene, eine weitere Polyol-Art durch direkten und indirekten Einbau von Co2 mit 40 % alternativen Rohstoffen herzustellen – ein weiterer Beitrag zur Ressourceneffizienz.

In der Business Unit Polycarbonates (pcs) beschäftigen wir uns vor allem mit der Entwicklung von Produkten für die Automobil- und Elektronikindustrie sowie die it-Branche. Dabei zielen wir auf Gewichtsverringerung, verbesserte Energieeffizienz und Sicherheit sowie höhere Designfreiheit.

In der Automobilindustrie gilt unser Augenmerk unter anderem Anwendungen im Auto-Außenbereich. Hier werden neben zahlreichen Anbauteilen wie Spoilern zunehmend Scheiben und ganze Panorama­dächer sowie deren Rahmen aus Polycarbonat und entsprechenden Kunststoff-Mischungen gefertigt. Sie wiegen bis zu 50 % weniger als konventionelle Lösungen aus Glas und Stahl. Das unterstützt die Bemühungen der Industrie, Fahrzeuge möglichst leicht und damit sparsamer im Treibstoffverbrauch zu machen. Wir arbeiten daran, die Eigenschaften und die Herstellung der entsprechenden Produkte weiter zu verbessern.

Zur Nachhaltigkeit bei Fahrzeugen und in anderen Anwendungen tragen auch Leuchtdioden bei, die viel weniger Energie verbrauchen und länger halten als traditionelle Leuchtmittel. Wir haben spezielle Materialien zur Lenkung, Streuung und Reflexion von led-Licht entwickelt, die sich durch hohe Transparenz, Designfreiheit und Hitzebeständigkeit auszeichnen. Zudem lassen sich aus speziellen Materialien thermisch leitfähige Konstruktionselemente herstellen. Sie tragen dazu bei, dass led-Leuchten länger halten.

Des Weiteren arbeiten wir an der Fortentwicklung von Verbundwerkstoffen auf Basis von Polycarbonat, die neben dem Automobilsektor unter anderem auch die Konsumentenelektronik adressieren. Hier entwickeln wir besonders leichte endlosfaserverstärkte Materialien, die zukünftig beispielsweise für Karosserie- und Strukturbauteile eingesetzt werden können oder als Gehäusewerkstoffe für ultramobile Notebooks, Tablet-Computer und Smartphones Verwendung finden.

In der Business Unit Coatings, Adhesives, Specialties (cas) treiben wir die Entwicklung von Polyurethan-Rohstoffen für hochwertige Lacke, Farben, Kleb- und Dichtstoffe voran. Zu den Schwerpunkten unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zählen Beschichtungen für Textilien und Kunstleder. Dafür haben wir eine neue Generation rein wasserbasierter Polyurethan-Dispersionen entwickelt. Diese Technologie, die Mitte 2014 unter dem Namen InsqinTM am Markt eingeführt wurde, macht es nun möglich, alle Arten von beschichteten Textilien und Kunstleder ohne Lösungsmittel herzustellen.

Insgesamt konzentrieren wir uns in der Entwicklungsarbeit auf umweltverträgliche Produkte, die Ressourcen stärker schonen und in der Anwendung effizienter sind. Eine zunehmend größere Rolle spielt auch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe.

Open Innovation

Im Sinne der Open Innovation setzt MaterialScience auf die Zusammenarbeit mit externen wissenschaftlichen Einrichtungen sowie Start-up-Unternehmen und Ausgründungen im akademischen Bereich. Die Schwerpunkte dieser Kooperationen liegen in Europa, den usa, China und Japan.

Zu unseren Partnern in Deutschland zählt die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (rwth), Aachen (Deutschland), mit der wir unter anderem gemeinsam das cat Catalytic Center unterhalten. In China besteht vor allem eine enge Kooperation mit der Tongji-Universität, während wir in den usa die Forschungsaktivitäten an einer Reihe renommierter Hochschulen unterstützen.

Im wissenschaftlichen Umfeld beteiligen wir uns federführend oder beratend an zahlreichen öffentlich geförderten Projekten. Hinzu kommt die Mitwirkung in Fachverbänden und -gremien wie der Gesellschaft Deutscher Chemiker, der dechema Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie in Deutschland sowie der American Chemical Society in den usa. Daneben erhalten wir wichtige Innovationsimpulse aus Kooperationen mit Kunden bzw. mit anderen Branchen. Dazu zählt das Unternehmensnetzwerk „future_bizz“.

Bayer Technology Services

Technology Services ist ein wichtiger Innovationspartner für die Teilkonzerne in den Bereichen technologische Entwicklung, Anlagenbau und Produktion. Bei technologischen Lösungen, insbesondere in den Bereichen Prozesstechnologie, Engineering und sicheres und effizientes Betreiben von Produktionsanlagen arbeiten alle Teilkonzerne weltweit eng mit der Servicegesellschaft zusammen.

eingeschränkt geprüft

Online-Ergänzung: 3-5-4

Technology Services entwickelt zusammen mit den Teilkonzernen Technologieplattformen in der Verfahrens- und Biotechnologie sowie der Systembiologie, um die Forschung, Entwicklung und Produktion neuer Produkte und Anwendungen zu unterstützen. Dabei setzt Technology Services gezielt auf Open Innovation. Im Forschungszentrum invite, einer Kooperation mit der Technischen Universität Dortmund, werden beispielsweise neue flexible, modular aufgebaute Produktionskonzepte entwickelt. Im Joint Research Center for Computational Biomedicine, einer Kooperation mit der rwth Aachen, werden computergestützte Modelle und Methoden zur Aufklärung von fundamentalen biologischen Mechanismen erforscht und in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Aachen für die klinische Anwendung entwickelt.

Letzte Änderung: 26. Februar 2015  Copyright © Bayer AG
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