Konzern

Entscheidender Schritt zum reinen Life-Science-Unternehmen

Erfahrungsaustausch mit Medizinern: Bayer-Vorstandsvorsitzender Dr. Marijn Dekkers mit Priv.-Doz. Dr. Jürgen Zumbé, Direktor der Klinik für Urologie am Klinikum Leverkusen.

nur ein Jahr nach dem 150-jährigen Jubiläum haben wir ein neues Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte eröffnet, indem wir die entscheidenden Schritte hin zu einem reinen Life-Science-Unternehmen eingeleitet haben. In der Zukunft werden wir unsere Innovationskraft voll und ganz darauf ausrichten, Moleküle und Lösungen zu entwickeln, die die Gesundheit und Ernährung der Menschen verbessern. Unsere Mission „Bayer: Science For A Better Life“ hat nie treffender beschrieben, wer wir sind und was wir tun.

Im Jahr 2014 ernteten wir mit der weltweiten Vermarktung unserer neueren verschreibungspflichtigen Pharma-Produkte sowie unserer Produkte für Pflanzenschutz und Saatgut weiterhin die Früchte unserer Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig haben wir das Consumer-Care-Geschäft mit rezeptfreien Produkten von Merck & Co., Inc., USA, erfolgreich übernommen. Damit sind wir zum zweitgrößten Consumer-Care-Unternehmen der Welt aufgestiegen. Dieses weitgehend stabile Geschäft hilft uns nun, mögliche Schwankungen in anderen Geschäftsbereichen auszubalancieren.

Auch MaterialScience zeigte 2014 eine erfreuliche Entwicklung und konnte früheren Herausforderungen erfolgreich begegnen. Vor diesem Hintergrund beanspruchte der Teilkonzern weitere signifikante Investitionen zur Sicherung seines organischen Wachstums und finanzielle Freiräume für mögliche Akquisitionen.

Allerdings wurden die Strategie und die starke Entwicklung von Bayer in den vergangenen Jahren mehr und mehr vom Erfolg unserer Life-Science-Geschäfte getrieben. Material­Science musste im Konzern mit diesen Geschäftsbereichen, die nach unserer Einschätzung auch in Zukunft deutlich höhere Renditen ver­sprechen, um Ressourcen konkurrieren. Daher beschlossen wir, dem Teilkonzern als eigenständigem Unternehmen einen eigenen Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen, während sich Bayer nun voll und ganz auf die Life-Science-Geschäfte fokussiert.

Das ist eine bedeutende Zäsur in der Geschichte von Bayer, steht aber im Einklang mit dem Handeln unserer Gründer und dem, was unsere Forscher seit mehr als 150 Jahren leisten. Wir tragen am besten zur Innovation bei, indem wir neue Moleküle erfinden, die zu ihrer jeweiligen Zeit in innovative Anwendungen münden. Das Einzige, was sich über die Jahre geändert hat, sind die Märkte oder Anwendungsgebiete, in denen unsere Moleküle den größten Wertbeitrag leisten. Heute stehen dafür die Life Sciences im Mittelpunkt. Es ist entscheidend für den langfristigen Erfolg von Bayer, dass wir unser Portfolio immer wieder neu an den jeweiligen Anforderungen der Märkte ausrichten und fortwährend Antworten auf die Anforderungen von Kunden und Gesellschaft geben.

Im September 2014 hat der Aufsichtsrat die Trennung von Material­Science einstimmig genehmigt. Das Unternehmen soll bis Mitte 2016 an die Börse gebracht werden. Wir sind alle überzeugt, dass diese strategische Entscheidung große Vorteile und Chancen bietet – für Bayer ebenso wie für MaterialScience. Das neue, eigenständige Unternehmen soll weiter führende Positionen in allen seinen Geschäftsfeldern einnehmen. Wir glauben fest an seinen zukünftigen Erfolg.

Das reine Life-Science-Unternehmen Bayer wird sich mit seiner Forschung in einzigartiger Weise auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze fokussieren. Die Forschung zeigt uns heute, dass die verschiedenen Spezies viel mehr Gemeinsamkeiten besitzen, als noch vor wenigen Jahrzehnten allgemein angenommen wurde. Das gilt insbesondere für die biochemischen Prozesse auf Zellebene, wo unsere Wirkstoffe ansetzen. Auch wenn wir uns noch in einem frühen Stadium befinden, so lassen sich doch aus diesen Gemeinsamkeiten möglicherweise viele Synergien erzielen, wofür wir die besten Voraussetzungen mitbringen.

Um auch künftig Innovationen entwickeln zu können, mit denen Ärzte ihren Patienten helfen, Veterinäre Tiere behandeln und Landwirte die wachsende Weltbevölkerung ernähren können, investieren wir weiter verstärkt in Forschung und Entwicklung (F&E). Das F&E-Budget für die Life Sciences belief sich im Jahr 2014 auf 3,2 Milliarden Euro. Alles in allem erwarten wir, dass der Anteil der F&E-Aufwendungen am Umsatz in den nächsten Jahren weiter steigen wird.

Insbesondere unseren erfolgreichen Pharma-Produkten kommt dabei große Bedeutung zu. In der pharmazeutischen Industrie zählen wir bei den weltweit großen Unternehmen zu denen, die am schnellsten wachsen. So steigerten wir im vergangenen Jahr den Umsatz im Pharma-Geschäft währungs- und portfoliobereinigt um 11,2 Prozent. Einen wesentlichen Beitrag leisteten dabei unsere neueren Produkte Xarelto™, ­Eylea™, ­Stivarga™, Xofigo™ und Adempas™.

Der Umsatz von CropScience hat sich währungs- und portfolio­bereingt um 11,2 Prozent verbessert. Dabei hat das Unternehmen auch mit Produkten, die wir in den vergangenen Jahren auf den Markt gebracht haben, Marktanteile gewonnen.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfolge hat sich unser Unternehmen wirtschaftlich hervorragend entwickelt. Wir blicken auf ein weiteres Rekordjahr für Bayer zurück. Die Umsatzerlöse stiegen auf mehr als 42 Milliarden Euro. Wir konnten währungs- und portfoliobereinigt ein Wachs­tum von über 7 Prozent verzeichnen. Unser bereinigtes EBITDA betrug 8,8 Milliarden Euro und lag damit um fast 5 Prozent über dem Vorjahreswert. Das bereinigte Ergebnis pro Aktie erreichte 6,02 Euro und stieg damit gegenüber dem Vorjahr um 7,3 Prozent.

Als Konsequenz dieser erfolgreichen Entwicklung und der Wertschätzung der Investoren wurde Bayer im vergangenen Jahr erstmals das Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung im deutschen Aktien­index DAX.

Für die weitere Stärkung unseres Life-Science-Geschäfts sind neben dem organischen Wachstum auch ergänzende Akquisitionen wichtig. Sie verbessern unsere regionale Positionierung, runden unser Produktportfolio ab und verschaffen uns Zugang zu wichtigen neuen Techno­logien. Dafür haben wir im Jahr 2014 insgesamt 13,5 Milliarden Euro ­investiert.

Die größte Akquisition war die Übernahme des Consumer-Care-Geschäfts von Merck & Co., Inc., die unser Geschäft mit rezeptfreien Produkten in verschiedenen Therapiegebieten und Regionen deutlich gestärkt hat. Mit der chinesischen Dihon Pharmaceutical Group Co. Ltd. haben wir ein Consumer-Care-Unternehmen erworben, das auf Dermatologie-Produkte spezialisiert ist. Zudem konnten wir die Akquisition der norwe­gischen Algeta ASA, mit der wir seit 2009 bei der Entwicklung und dem Vertrieb des Krebsmedikaments Xofigo™ kooperierten, erfolgreich abschließen.

CropScience hat unter anderem die argentinische Biagro-Gruppe übernommen. Zum Portfolio von Biagro gehören biologische Saatgutbehandlungsprodukte und Schädlingsbekämpfungsmittel aus Bakterien- und Pilzstämmen. Außerdem kauften wir das Saatgutgeschäft der paraguay­ischen Firma Granar, die auf die Züchtung, Erzeugung und Vermarktung von verbessertem Saatgut insbesondere für Sojabohnen spezialisiert ist.

Für unseren künftigen Erfolg, und das möchte ich an dieser Stelle besonders betonen, sind unsere hervorragenden Mitarbeiter das wichtigste Kapital. Unsere Leitwerte Leadership (Führung), Integrität, Flexibilität und Effizienz – zusammengefasst unter dem Begriff LIFE – bleiben die Grundpfeiler unseres Verhaltens. Kontinuierliches Lernen ist dabei ein fundamentaler Bestandteil unserer Personalpolitik und Nachwuchsförderung. Die Entwicklung besonderer Fähigkeiten, das Überwinden organisatorischer Hürden sowie tägliche Verbesserungen sind weiterhin wichtige Elemente der Bayer-Kultur.

In Zukunft wollen wir auch den Dialog mit unterschiedlichen Interessengruppen weiter ausbauen. Wir sind überzeugt von dem, was wir tun und vom Wert unserer Produkte. Wir werden gegenüber Kunden, der Gesellschaft und Politikern noch besser vermitteln, wie unsere ­Produkte die ­Lebensqualität von Millionen Menschen auf der ganzen Welt verbessern.

Sorge bereitet mir indessen die wachsende Zahl kritischer Stakeholder, deren Ansichten und Forderungen eher auf Emotionen und Glaubenssätzen gründen als auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wir alle haben es in der Hand, darauf hinzuwirken, dass in der Gesellschaft die notwendigen Rahmenbedingungen für künftige Innovationen geschaffen werden können. In diesem Zusammenhang ist es für uns auch wichtig, dass Wirtschaftswachstum im Einklang mit ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung erzielt wird. Wir bekennen uns zu den Grundregeln nachhaltiger Entwicklung und den zehn Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen.

Im Namen der gesamten Konzernführung möchte ich unseren Mitarbeitern für ihren Einsatz, ihre Motivation und ihren Ideenreichtum danken. Ohne sie wäre Bayer nicht das großartige Unternehmen, das es heute ist.

Wir gehen mit anhaltendem Optimismus in das Jahr 2015. Die Innovationen von Bayer haben Millionen Menschen rund um den Globus geholfen und die Führungsposition von Bayer weiter gestärkt. 2014 konnten wir unser Portfolio um weitere innovative Produkte ergänzen und Rekordergebnisse verbuchen. Diesen Kurs wollen wir auch 2015 und darüber hinaus fortsetzen – mit der Entwicklung zum reinen Life-Science-Unternehmen und indem wir die Lebensqualität der Menschen weiter verbessern.

Zum Schluss möchte ich Ihnen, unseren Aktionärinnen und Aktionären, für Ihre fortwährende Unterstützung unserer Strategie und die Wertschätzung unserer Leistung danken.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Marijn Dekkers

Vorstandsvorsitzender der Bayer AG

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Letzte Änderung: 26. Februar 2015  Copyright © Bayer AG
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